Schreib-Anregungen

Vor einer Woche erlebte ich im Garten von Schloss Senden eine außergewöhnliche Dichterlesung. Die derzeitige Regionenschreiberin des Münsterlandes, Charlotte Krafft,  las aus ihren "Momumenta". Das ist kein Schreibfehler. Es heißt tatsächlich so und ist eine Wortschöpfung aus Monument und Moment, so die Autorin. Die Betonung liegt auf dem Prozess, Monument/Denkmal als denk mal!

Charlotte Kraffts "Momument I" beginnt mit dem Zitat von Ursula K. Le Guin:

„Man kann heimkehren, wenn man denn begreift, dass ‚heim‘ ein Ort ist, an dem man noch nie war.“


Das Zitat ist gleichzeitig mein heutiger Impuls: mit oder ohne Stift in der Hand, zu Hause oder unterwegs, diesen Worten nachzuspüren...

Ich wünsche euch erhellende Momente!

Elisabeth am 28. Juni 2020



Heute begegnete mir ein Gedicht, das mit den Zeilen beginnt:

was man alles
weglassen kann...

Diese Inspiration von Jutta Piehler möchte ich hier gerne aufgreifen und dazu einladen, ein eigenes Gedicht zu schreiben. Hierzu eignet sich vorzüglich die Listenform.
Einfach ein Blatt zur Hand nehmen und notieren:

was man alles weglassen kann:
...
...
...
usw.

und dann eine Liste anschließen von all dem,

was bleiben muss:
...
...
...
usw.

Zum Schluss, wenn es sich ergibt, ein oder zwei Zeilen für ein Fazit.

Und wie immer, bist du herzlich eingeladen, deine Liste hier mit anderen zu teilen.

Elisabeth am 11. Juni 2020




Wähle eines dieser Fotos aus und notiere dazu, was dir in den Sinn kommt.
Fasse dann deine Gedanken in 3 Zeilen, um die Essenz herauszuschälen.
Gib deinem Dreizeiler eine Überschrift.
Und last but not least: teile ihn gerne hier in diesem Blog.


















Elisabeth am 6. Juni 2020

Was man nicht alles so findet! Foto: Nicole Radke
Corona-Randerscheinungen zwischen Himmel und Erde

Diese Schreibanregung möchte ich mit den Worten Annette von Droste-Hülshoffs einleiten:

„... was man nicht alles bemerkt auf einer Tagfahrt zwischen Wallhecken, den Himmel über, die Pfütze unter sich“.

Rand-Erscheinungen laden zu Rand-Notizen ein. Notizen, die, quasi nebenbei, beim Einkaufen, bei einem Spaziergang oder auch beim Flanieren in der Stadt notiert werden.
Lasst uns unsere Eindrücke miteinander teilen!
Elisabeth am 20. Mai 2020 

Sogar die Kondensstreifen halten Abstand! Foto: Jens Kanneberg






















Greenwriting
Im Grünen zu sein, weckt unsere Sinne und beflügelt die Fantasie. Sicher kennt ihr das: ihr seid in der Natur unterwegs und plötzlich seht ihr ein Gesicht in einem Baum oder in einer Wolkenformation. Hildegard Jöris sandte mir dieses Foto aus dem Westerwald zu. 
Lädt es nicht ein, sich eine Geschichte dazu auszudenken?
Oder einen Spaziergang zu machen und nach Baumgestalten Ausschau 
zu halten?
Elisabeth am 11.5.2020  









Und plötzlich springt dich eine Zeile an!
Vermutlich kennt ihr das gut; ihr lest in einem Buch, einem Gedichtband, einem Brief oder wo auch immer, eine Zeile, die euch spontan anspricht; die nicht mehr aus dem Kopf will...; da hilft nur eines: den Stift nehmen und notieren. Und dann: schreiben, was dazu in den Sinn kommt, ohne zu wissen, wo genau es hinführen wird. Wer an dieser Stelle den Sprung ins Ungewisse schafft, sich den Worten, dem "Floß der Sprache" anvertraut, wie Martin Walser es so passend sagt, wird staunen. Soeben bin ich einer solchen Zeile, eigentlich sind es zwei, begegnet, die ich hier mit euch teile. Sie stammen aus dem Gedichtband "Frühjahrskollektion" von Kurt Drawert:

So unverlangt
war lange kein Fahrplan
... 

Meine Kollegin Renate Stettinus wurde auf ähnliche Weise "gepackt" von einem Satz in dem Buch "Weltensammler" von Ilja Trojanow:

"Burton steht knöcheltief im Wasser und wartet auf den nächsten Aufbruch, wartet seit seiner Ankunft in Sansibar vor mehr als sechs Monaten..."

Etwas allgemeiner formuliert, könnte ein Schreibimpuls auch so lauten:

Hier steht er (sie) und wartet auf den nächsten Aufbruch, wartet seit seiner (ihrer) Ankunft an diesem Ort vor mehr als sechs Monaten...

Vielleicht "zündet" einer dieser "Funken-Sätze" bei dir ebenso und du hast Lust, "es" dazu schreiben zu lassen, so wie es in die Feder oder die Tastatur kommt. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Sätze bzw. Zeilen in Corona-Zeiten anderes hervorrufen. Hier zeigt sich unsere Kontext-Abhängigkeit.

Elisabeth am 4.5.2020


Dein persönlicher "Corona-Moment"
Heute begegnete mir im Wdr5 die Einladung, von dem persönlichen "Corona-Moment" zu berichten, in dem man gemerkt hat, dass alles anders wird. Ich erinnerte mich dabei spontan an den Moment in dem mir klar wurde, dass ich mein Seminar auf Hiddensee absagen muss. 
Was war dein persönlicher Corona-Moment? Ich freue mich, darüber in diesem Blog zu lesen.
Elisabeth am 27.4.2020


AnneGrets kleine Glücks-Ecke
Kleine Glücks-Ecke
Eine Teilnehmerin dieses Blogs schickte mir gerade ein Foto von der kleinen "Glücksecke", die sie sich jüngst in ihrem Garten eingerichtet hat. Die Zeit dazu verdankt sie Corona. 
Ein schöner Impuls, "Glücksecken" zu schaffen, über "Glücksecken" nachzudenken und zu schreiben..., einander mit "Glücksecken" anzustecken! (22.4.2020)





Greenwriting
An einem Bach irgendwo (Video) oder an einem anderen Ort deiner Wahl in der Natur: Einfach nur da sein, alle Sinne offen, hinhören, hinschauen, hinspüren. Dir Zeit geben. Zunächst ganz ohne Stift und Schreiben. Und vielleicht ist nach einer längeren Weile ein Wort da, eine Zeile... Dabei kann es bleiben oder da fängt es an...








Der Frühling weiß von nichts!



Elisabeth Klempnauer am 21.4.2020


Bunte Steine

Dieses Fundstück hat meine Kollegin Renate Stettinus zur Verfügung gestellt. Nicht nur, jedoch besonders in Corona-Zeiten, gibt es in unserem Alltag so manchen "Stein" im Weg, ziemlich große Brocken, mittlere und kleinere Steine. Im Sinne von "Corona kreativ" könnte die Aktion auf dem Foto eine Anregung sein, schreibend darüber nachzusinnen, welche "Farben" wir unseren alltäglichen "Steinen" geben können. Auch Texte können zu bunten Wegmarken werden.  
Elisabeth Klempnauer am 20.4.2020

 









Ein Brief

Wer ist der Empfänger?

Immer zuerst der Schreiber selbst
Dann der Adressat
Oder viele Adressaten
Der falsche Adressat...

Wie wäre es zur Abwechslung mit einem Brief?
Oder mit einer Geschichte, in der es um einen Brief geht?
 

Elisabeth Klempnauer am 17.4.2020

 

 

Schreib-Gespräch

"Grenzen sind nichts Natürliches"
Impulse dazu findet ihr hier

 

Das Decamerone-Projekt

Das Decameron ist eine Sammlung von 100 Novellen aus dem 14. Jahrhundert. Die Rahmenhandlung: Ein Landhaus in den Hügeln von Florenz. Dorthin flüchten 10 Menschen, 7 Frauen (!) und 3 Männer, vor der Pest. Im Landhaus unterhalten die Pest-Flüchtlinge sich, indem sie sich Geschichten erzählen. Jeden Tag wird eine Königin oder ein König bestimmt, welche(r) einen Themenkreis vorgibt. Zu diesem Themenkreis denkt sich jede(r) der Anwesenden eine Geschichte aus. Nach 10 Tagen und 10 mal 10 Novellen kehrt die Gruppe wieder nach Florenz zurück. Mehr dazu in Wikipedia.
Die Wochenzeitschrift DIE ZEIT hat dieses Konzept für ihr aktuelles Decamerone-Projekt aufgegriffen und 10 zeitgenössische Autor_innen eingeladen. Beginnend mit der Ausgabe 14/2020 vom 26. März wird hier wöchentlich eine Geschichte veröffentlicht. Die Themen dieser Geschichten kreisen um "die großen Dinge des Lebens", um Liebe und Tod, Freundschaft und Macht, Verrat, Sorge und Wahrheit und mehr. Wir dürfen gespannt sein!
Meine Anregung: wir legen den Fokus auf die kleinen Dinge des Alltags: Händedruck, Umarmen, Einkaufen, Masken, Mehl, Hefe, Clopapier..., Drinnen Sein, Draußen Sein und Vieles mehr. Und erzählen Alltagsgeschichten, reale oder fiktive. So wird uns die Zeit der Kontakt-Beschränkung nicht lang. Weder für die Schreibenden, noch für die Lesenden. 
Elisabeth Klempnauer am 13. April 2020

(c) kitulek

Mit dem Stift malen

Sitzen wir nicht alle im Moment wie auf einer Art Zuschauerbank und betrachten mit mehr oder weniger Abstand das Geschehen, das wir noch gar nicht wirklich begreifen? Wie sieht die Corona-Welt aus deiner Perspektive aus? Wie nimmst du sie wahr? Wähle einen Ort deines Alltags als Beobachtungspunkt. Das kann dein Küchenfenster sein oder der Balkon, der Sessel vor dem Fernseher, die Bank im Park, der Supermarkt und Vieles mehr. Öffne ganz bewusst deine Sinne und notiere deine Eindrücke. In einem zweiten Bearbeitungsdurchgang streiche alle unnötigen Wörter. Vermeide Bewertungen, das hält den Resonanzraum offen. 
Elisabeth Klempnauer am 12. April 2020 

 

Alles kann ein Gedicht werden

ja, wirklich alles! Falls du es nicht glaubst, höre dir zunächst dieses Interview mit dem Dichter Jan Wagner an. Wähle dann irgendetwas aus deiner Umgebung, und sei es noch so banal, als Schreibanlass und versuche es einfach. Oder vielleicht hast du ja Lust, zu einem Detail auf dem Foto oben zu schreiben? Ob mit oder ohne Reim, frei oder formgebunden, es wird sich ergeben und alles ist wunderbar. Ja alles!
Elisabeth Klempnauer am 12. April 2020 

 

Fragen

Der Münsteraner Aktionskünstler Stephan Us richtet in seiner Aktion "Pssssst!" folgende Fragen an die Gesellschaft:
Wie geht es Dir in dieser neuen Situation? 
Was macht diese Abwesenheit? 
Wie nimmst Du diese neuen stillen Räume wahr? 
Wie sehen sie aus? 
Was fühlst Du dabei?
Vielleicht reizt dich eine dieser Fragen zu einer Antwort. Vielleicht hast du auch Lust, eigene Fragen zu (er)finden und diese aufzuschreiben, so wie es Christiane Kretzschmar in ihrem Blogbeitrag gemacht hat.
Elisabeth Klempnauer am 11. April 2020

 

Blick in die Zukunft: Die Zeit danach - Eine fiktive PRO-Gnose

Corona hat auch mal ein Ende - was kommt dann? 
Wie sieht die Welt nach Corona deiner Meinung nach aus? 
Entwickle deine eigene Fiktion.

Blick aus der Zukunft zurück ins Heute - Fiktive RE-Gnose

Während die PRO-Gnose vom jetzigen Standpunkt in die Zukunft schaut, blickt die RE-Gnose von der Zukunft zurück ins Heute. Matthias Horx schlägt vor:
"Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafé... Es ist warm, und auf der Straße bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?"
Elisabeth Klempnauer am 9. April 2020