Kaum zu glauben - Rollis verbreiten Corona?

Die Dächer sind weiß. Es hat geschneit. Endlich! 2010 hatten wir zum letzten Mal richtig viel  Schnee. Damals kam der Räumdienst nicht nach. Wir hatten so viel Schnee, dass die Hauptstraßen nicht geräumt wurden. Die Benutzung von Fuß- und Radwegen war gefährlich. Ich und mein Rollstuhl waren wochenlang im Haus eingesperrt. Anfangs freuten sich alle über den Schnee, dann verfluchten sie ihn. Jeden Tag Schnee fegen, morgens, mittags, abends. Laufend passierten Unfälle. Es gab so viele Knochenbrüche wie noch nie. Irgendwann hörte es auf zu schneien. Bis die weiße Pracht komplett verschwunden war, dauerte es lange. Alle waren froh, denn wochenlanges Schneechaos sind die Münsteraner*innen nicht gewöhnt.
Heute geht es schnell. Um 12:00 Uhr ist der Schnee vollständig weggetaut. Wenigstens haben die Kinder mitbekommen wie Schnee aussieht und wie er sich anfühlt. Nachmittags haben wir 0°C. Die Sonne kommt raus und lockt nach draußen. Ich folge ihrem Ruf. Es sind viele Spaziergänger unterwegs. Morgens trifft man fast nur Gassigänger und Jogger. Freundliche Leute – man grüßt sich, nickt sich zu - die Runden am frühen Morgen verbinden. Nachmittags ist es anders. Mir kommen viele mit Maske entgegen, starren mich an, wollen schnell an mir vorbei. Haben sie Angst vor mir oder vor meinem Rollstuhl? Ich bin an der frischen Luft und habe keine Maske auf. Platz ist vorhanden, um ausreichend Abstand zu halten. Was mache ich verkehrt? Eine Hundehalterin klärt mich auf: "Gestern stand im Blitz Courier, dass Rollstühle Corona verbreiten. Sie bieten den Viren optimale Verstecke. An der frischen Luft verlassen sie diese und stürzen sich auf alles was dem Rollstuhl nahekommt. Ich halte das für Blödsinn, aber sie sehen wie die Menschen reagieren." - Der Ausflug hat mich so mitgenommen, dass ich am nächsten Tag einen Coronatest machen lasse. Ich kann Euch beruhigen, der Test war negativ. Mein Rolli und ich, wir sind gesund.

Maria Eifrig, Januar 2020