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Es werden Posts vom Februar, 2021 angezeigt.

fürbass gehen

Soeben begegnete mir in meinem DUDEN-Abreißkalender mit vergessenen Wortschätzen das Wort fürbass .  Das Wort kommt aus dem Althochdeutschen und heißt soviel wie besser vorwärts .   Für , so das Kalenderblatt, ist uns vielleicht noch in der poetisch anmutenden Verbindung für sich hingehen bekannt.   Bass ist im ursprünglichen Wortsinn die Steigerungsform von wohl . Diese Form wich später der Steigerungsform besser . Fürbass gehen bedeutet demnach soviel wie: wohler vorwärts gehen. Im heutigen Sprachgebrauch sagen wir: absichtslos voran gehen, schlendern .  Diesen Modus des absichtslosen Schenderns finden wir auch in der Gedichzeile Goethes: Ich ging im Walde so vor (für) mich hin und nichts zu suchen, das war mein Sinn... Meine Anregung heute: einmal nicht gezielt von A nach B gehen, um etwas zu erledigen, sondern sich eine kleine Weile des fürbass Gehens erlauben. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Tag. Elisabeth

Hildegards immaterielles (Kultur-) Erbstück

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Um es gleich vorweg zu nehmen: dieses Erbstück hat leider diverse Umzüge und Räumaktionen nicht überlebt. Die Erinnerung daran wurde durch einen Beitrag in der Zeitung geweckt, in dem es um ein besonderes Getränk geht: den Viez. Dieser soll nämlich in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Eine Entscheidung darüber wird im Frühjahr 2022 erwartet. Für alle, die nicht wissen, was Viez ist, klärt der Zeitungsartikel auf: „Viez ist ein an Mosel und Saar sowie in Eifel und Hunsrück verbreiteter Apfelwein“. Das Wort kommt von Lateinisch vice , was soviel wie an Stelle von... heißt. In diesem Fall: ... anstelle von Wein. Getrunken wird der Viez nicht aus dem Glas, sondern aus der sogenannten Porz, der Viez-Porz. Hildegard Jöris schreibt: „ja, dass der Trierer Viez mal zu solchen Ehren kommt, hätte ich mir nicht vorstellen können. Das Wort „Porz“ fand ich früher wenig schmeichelnd, Mundart war zu meiner Jugendzeit eher verpönt, heute kommt sie wieder in Mode. Die Viezpo

Mehr als nur ein Hauch von Frühling in diesen Tagen

Dieser Beitrag ist bereits am 24. Januar 2021verfasst worden. Inzwischen haben wir es geradezu mit einer Frühlingsexplosion zu tun. Aus den vor einer Woche noch herrschenden Minusgraden sind wir ins dicke Plus gekommen. Immer wieder kommt ein neuer Frühling, immer wieder kommt ein neuer März. Immer wieder bringt er neue Blumen, immer wieder Licht in unser Herz… (aus einem Kinderlied) Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, trotz Schnee-Graupelschauer und Minusgrade. Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, Das Vogelgezwitscher in Büschen und Bäumen wird intensiver, Tulpen und Narzissen recken ihre vorwitzigen Näschen hoch, Schneeglöckchen blühen, die Mittagssonne wärmt mein Gesicht. Die Tage werden länger und heller, na ja, nicht jeder Tag - aber fast jeder, immer öfter. Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, wollen balde kommen. Horch von fern ein leiser Harfenton, Frühling, ja

Lebenskunst 2

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... Den Blick für Dinge am Rande nicht verlieren, ... für das pralle Leben in alten Mauern,   ... einen Flirt in eisigen Zeiten ... und den Humor für eine Sitzgelegenheit mit Fußbad.  ... Im richtigen Moment am richtigen Ort sein.

Renates Erbstück

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Bei der Wohnungsauflösung meiner Eltern habe ich es nicht übers Herz gebracht, diese Vase zu entsorgen. Nicht, dass sie mir besonders gut gefällt, sie passt auch nicht wirklich zu der Einrichtung unserer Wohnung. Und doch steht sie im Wohnzimmerregal. Warum? Mit dieser Vase sind Erinnerungen an meine Oma in Schleswig-Holstein verbunden. An das Haus, in dem ich geboren wurde. An das Wohnzimmer mit den dunklen Möbeln, in dem es immer nach Möbelpolitur roch, dass man nur zum Staubwischen betrat, in dem man sich nur aufhielt, wenn gern gesehene Gäste zu Besuch kamen. Ich sehe die Vase noch heute auf einem kleinen Tisch neben dem Radio stehen.  Renate Stettinus

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt...

2x3 macht vier und drei macht Neune, 3x3 macht 6, wer will`s von mir lernen? Alle groß und klein lad ich zu mir ein… Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt… (nach Pippi Langstrumpf) Wenn es doch so einfach wäre, geringelte Strümpfe, eigenwillig, rothaarig, eine kunterbunte Phantasiewelt, ohne Bösewichte und Tunichtgute, ohne Unwetter und Gefahr, ohne Kampf und Krieg, ohne Fallstricke und Hungersnöte, ohne Pestilenz und Tod. Haben zu viele Individuen zu viele Süppchen auf dem eigenen Herd gekocht?   Ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt… So wie sie uns gefällt…? Wir haben außer Acht gelassen, was uns singen und tanzen und lachen und lieben lässt und sind erstaunt über Krankheit und Tod. Wir heben den Götzen Technik auf ein Podest, umklammern ihn und lassen ihn nicht los, verlieren den Blick für das Wesentliche und haben verlernt, achtsam, respektvoll und fürsorglich miteinander umzugehen. Immer höher, weiter, schneller… Eine Vogelsorte weniger, eine Tierart stirbt aus, die

Schamsäcke oder: Parkbänke für China

2010: Jeden zweiten Dienstagmorgen stellen alle in unserer Straße ihren Plastikmüll raus. Man hängt ihn in dünnen gelben Tüten an die Zäune, lehnt ihn an die Gartenmauer oder legt ihn einfach auf den Bürgersteig. In der Regel sieht das ganz säuberlich aus. Die Säcke sind mit appetitlichen Schleifchen verschlossen. Die Leute von der Müllabfuhr machen sich nicht schmutzig, wenn sie danach greifen, und wir machen uns auch nicht schmutzig. Wenn man vom Einkaufen oder von der Arbeit nach Hause kommt, ist der Müll wie weggezaubert, und man kann sofort anfangen, die nächsten gelben Säcke zu befüllen. Das ist doch ein sehr befriedigendes System. Wo funktioniert schon die Müllabfuhr so gut geregelt wie hier bei uns in Deutschland? Man denke bloß einmal an Rom! Da ersticken die armen Menschen ja fast in ihrem Müll! Aus unserem Müll wird sogar noch etwas tolles Neues hergestellt: Er wird nach China verschifft, und dann machen die Chinesen Parkbänke daraus. Da es sehr viele Chinesen gibt, braucht

Lebenskunst 1

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        ...den Moment beim Schopf packen, bevor das Eis...  ...einen Spaziergang genießen und es wie Arbeit aussehen lassen  ... dankbar sein, dass andere schon vorgespurt haben

Stille ist...

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Kaum zu glauben - Rollis verbreiten Corona?

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Die Dächer sind weiß. Es hat geschneit. Endlich! 2010 hatten wir zum letzten Mal richtig viel  Schnee. Damals kam der Räumdienst nicht nach. Wir hatten so viel Schnee, dass die Hauptstraßen nicht geräumt wurden. Die Benutzung von Fuß- und Radwegen war gefährlich. Ich und mein Rollstuhl waren wochenlang im Haus eingesperrt. Anfangs freuten sich alle über den Schnee, dann verfluchten sie ihn. Jeden Tag Schnee fegen, morgens, mittags, abends. Laufend passierten Unfälle. Es gab so viele Knochenbrüche wie noch nie. Irgendwann hörte es auf zu schneien. Bis die weiße Pracht komplett verschwunden war, dauerte es lange. Alle waren froh, denn wochenlanges Schneechaos sind die Münsteraner*innen nicht gewöhnt. Heute geht es schnell. Um 12:00 Uhr ist der Schnee vollständig weggetaut. Wenigstens haben die Kinder mitbekommen wie Schnee aussieht und wie er sich anfühlt. Nachmittags haben wir 0°C. Die Sonne kommt raus und lockt nach draußen. Ich folge ihrem Ruf. Es sind viele Spaziergänger unterwegs. M

Gelb-Spaziergang mit Assistenz

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Als ich heute morgen von den besonderen Spaziergängen las, habe ich beschlossen, auch mal Gelb zu suchen. Weggelassen habe ich die vielen gelben "Spuren" im Schnee 😏 und zwei Kohlmeisen. Die wollten nicht mit meiner Fotoassistentin auf's Bild. Nicole Radke

Aktuelle Info zum Blog

Dieser Blog ist nun fast schon ein Jahr lang aktiv. Nun ist es an der Zeit, kleine Veränderungen vorzunehmen.  Eingereichte Texte und Schreibimpulse befinden sich ab sofort auf einer Seite.  Wer die Schreibimpulse direkt ansteuern möchte, wählt in der Navigation auf der linken Seite Themen aus. Hier werden die Themenfelder alphabetisch angezeigt.  Mit mehr anzeigen gelangt man unter anderem zu der Auswahl Schreibimpulse .  Elisabeth

Gelbe Fundstücke im Schnee

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Ich habe auf unserem sonntäglichen Spaziergang besonders auf alles Gelbe geachtet. Das hat riesigen Spass gemacht.  Ich bin davon ausgegangen, dass ich auf diesem Weg, der mir so gut bekannt ist, nicht viel mit der Farbe Gelb finden werde und war überrascht.  Den Fokus beim spazieren gehen auf bestimmte Dinge zu richten, fühlt sich fast so an, als ginge man einen unbekannten Weg. Renate Stettinus      

Erbstück

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  In diesen Zeiten ist das Aufräumen in Mode gekommen. So kam in unserem Haushalt vor ein paar Tagen dieses vergessene Schätzchen aus den Tiefen der Regale hervor und ins Licht der Erinnerung. Eine sorgsame Hand hob es liebevoll aus der Entsorgungskiste heraus und verteidigte klar und bestimmt seine Existenzberechtigung. Warum nur? Was ist an diesem Ding so interessant, dass es bleiben muss? Und damit beginnt ein Erzählen und Nachforschen und ich verstehe. Der Aschenbecher hatte immer auf der Kücheneckbank gestanden, ziemlich sicher auf einem Spitzendeckchen (hier nachgestellt), wurde jedoch, soweit bekannt, nie in seinem eigentlichen Sinn benutzt. Er diente zur Ablage von Post, vielleicht auch Zeitungsschnipseln, Rezepten und Kalenderblättern. Er steht für Familienatmosphäre, für Kindheitserinnerungen und man wünschte sich, er hätte eine Stimme und könnte all die Geschichten erzählen, deren Zeuge er war.  Elisabeth Meine Anregung heute: schau doch mal mit dem Schatzsucher*innen-Blick

Ein Spaziergang der besonderen Art

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Fast täglich mache ich einen Spaziergang. Gestern, als Havixbeck noch nicht unter Schneemassen ächzte, habe ich eine neue Variante ausprobiert auf einem Weg, den ich oft gehe. In bin einer Farbe gefolgt und für ein erstes Experiment habe ich mir die Farbe Gelb ausgesucht. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, von Gelb zu Gelb zu gehen. Ich habe ganz anders hingesehen und Dinge entdeckt, an denen ich sonst vorbeigegangen wäre. 27 meiner über 80 Fundstücke werden auf der Fotostrecke unten angezeigt. Vielleicht inspiriert es dich, auf diese Weise selbst bekannte Wege neu zu entdecken. Schreibe gerne darüber in diesem Blog. Elisabeth Den Tipp für diesen Spazierübung habe ich übrigens dem Buch Kachelbads Erbe von Hendrik Otremba entnommen. Dieses Buch steht aktuell im Lektüre-Fokus der Lesebürger*innen-Akademie von Burg Hülshoff.