Heimkehren


„Man kann heimkehren, wenn man begreift,
dass „heim“ ein Ort ist, an dem man noch nie war.“
(Ursula. K. Le Guin)

Schreibimpuls vom 28. Juni 2020 aus dem Blog
„schreiben bewegt - schreiben verbindet“
 

Mich erfüllt das urmenschliche Verlangen
nach Nähe, Sicherheit, Geborgenheit
auf der Suche nach meiner Heimat.

Ist es mein Geburtsort,
mit all den Düften und Gesängen,
dem Raunen und Flüstern,
das Dorf meiner Kindheit,
der ersten Liebe,
mein Elternhaus,
die urgroß- / mütterlichen,
warmen, allumfassenden Arme?

Wird diese kindliche Sehnsucht verblassen,
entschwinden, sich auflösen,
im Herbst und Winter meines Lebens?

Werde ich auf der Suche sein?
Immer wieder,
bis in die Unendlichkeit,
mal mit leichtem,
mal mit schwerem Rucksack.

Auf dem Weg sein,
zu jeder Zeit,
als das Wünschen noch erlaubt war.
… Nun bin ich manche Stunde entfernt von jenem Ort,
und immer hör ich’s rauschen: du fändest Ruhe dort!“
(aus „Am Brunnen vor dem Tore“)

„Wohin gehen wir?
Nachhause!“
(Novalis)

Ist es möglich,
nachhause zu gehen,
heimzukehren an einen unbekannten Ort?
An einen Sehnsuchtsort, Zufluchtsort, Ruheort,
Schutz und Schirm vor allen Widrigkeiten des Lebens?

Ja, es ist möglich, denn
„Ich glaube, dass Liebe unmögliches schafft…“
(aus dem Gedicht von Elli Michler)

Ich möchte heimkommen,
ich werde heimkommen,
wann immer es ist,
wo immer es ist.

Durch Raum und Zeit,
über alle Entfernungen hinweg,
ich werde ihn finden,
diesen Ort.
Ich werde spüren,
wenn es soweit ist.

Ich werde es wissen.

Ich werde ankommen,
mich einrichten
und Ruhe finden.

So war es,
so ist es,
so wird es sein.

Ich weiß,
dass ich heimkehre
an einen Ort,
an dem ich noch nicht war…


Ursula Granseuer, 9. Januar 2021