Mein Garten, meine Wohlfühloase

(c) Jens Kannenberg

Ein Gestell aus Tischböcken und Brettern, vollgestellt mit Blumenkästen, runde, längliche, große und kleine, das ist er, mein Garten. Seit Jahren habe ich ihn mir gewünscht. Jetzt ist er Wirklichkeit.
Früher hatte ich einen "richtigen" Garten, eine Fläche von ca. 20 qm. Einen Garten, wo man sich bücken musste um in Erde zu wühlen. Ich liebte es, wenn die Hände in die Erde tauchten und die Finger die Erdklumpen zerdrückten. Es fällt mir schwer dieses Gefühl zu beschreiben. Erde schenkt uns Leben. Pflanzen durchbrechen zaghaft die Erdoberfläche, werden größer und kräftiger. Würmer graben sie um, sorgen für luftigen, lockeren Boden. Du bist Acker-, Mutterboden, enthältst organische Substanzen und bist als Erdreich unser Lebensraum, Erde ein Planet in unserem Sonnensystem.
Dann zog sie bei mir ein, erlaubte mir nicht meinen "richtigen" Garten weiter zu bearbeiten. Ich musste zusehen, wie er immer mehr vergammelte. Schließlich wurde die Erde planiert und mit Platten belegt. Sie, die MS, hatte es geschafft mir ein Stück normalen Lebens zu stehlen.
Jetzt gibt es einen neuen Garten, einen "MS Garten". Er hat keine 20 qm, ist klein und fein. Ich kann ihn alleine bearbeiten und besuche ihn mehrmals am Tag. Die Pflanzen werden liebevoll betüddelt. Neben Kräutern und verschiedenen Salaten wächst Gemüse. Zwei Hängeampeln aus Zink, bepflanzt mit Hängeerdbeeren, laden zum Verweilen ein.
Um den Überblick nicht zu verlieren, habe ich ein Gartentagebuch angelegt. Es weiß, wann gesät wurde oder Neues gesät werden muss und dokumentiert je Blumenkasten die Entwicklung der Pflanzen.
Heute war ein heißer Sommertag. Stunden verbrachte ich mit jungen, saftig, grünen Pflanzen, Tablet und Kaffee mitten drin und ich schrieb und schrieb in "meiner Wohlfühloase".

Maria Eifrig, Juni 2020