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Es werden Posts vom Juni, 2020 angezeigt.

Schreibimpuls 'heimkehren'

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Vor einer Woche erlebte ich im Garten von Schloss Senden eine außergewöhnliche Dichterlesung. Die derzeitige Regionenschreiberin des Münsterlandes, Charlotte Krafft, las aus ihren "Momumenta"*. Das ist kein Schreibfehler. Es heißt tatsächlich so und ist eine Wortschöpfung aus Monument und Moment, so die Autorin. Die Betonung liegt auf dem Prozess, Monument/Denkmal als denk mal!

Charlotte Kraffts"Momument I" beginnt mit dem Zitat von Ursula K. Le Guin:

Man kann heimkehren, wenn man denn begreift,
dass ‚heim‘ ein Ort ist, an dem man noch nie war

Dieses Zitat ist gleichzeitig mein heutiger Impuls: mit oder ohne Stift in der Hand, zu Hause oder unterwegs, diesen Worten nachzuspüren...Ich wünsche dir/euch erhellende Momente!Elisabeth am 28. Juni 2020
*Die "Momumenta" von Charlotte Krafft sind im Kontext des Projektes "stadt - land - text nrw 2020" entstanden.
Herzlichen …

Luftdurst

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Ich wusste gar nicht, wie doll ich atmen will. Oder muss. Wie doll ich, wie doll ein Mensch atmen muss! Die Maske saugt sich an den Nasenlöchern fest. Ich trete in die Pedalen und fahre bergauf. Da kommt nicht genug Luft durch den hübschen Stoff mit dem Notendesign. Habe ich geschenkt bekommen, weil ich Musikerin bin; habe mich sehr gefreut, wirklich. Ist der denn dreifach genäht? Kann sein. Meine Nase saugt und zieht: Luft, mehr Luft! Es geht nicht. Ich steige ab. Das Fahrrad zieht mich zurück, die Einkaufstaschen sind so schwer. Aber das Ding muss ab. Ich fummele nach den Ösen hinter den Ohren, die Sonnenbrille kommt auch gleich mit. Der Riemen des Helms sorgt dafür, dass nichts runterfällt. Gut, dass ich Helm trage. Aber was nützt es, den Kopf beim Sturz zu schützen, die Augen vor der Sonne und die Leute vor meinen Gesichtsemissionen? Nun baumelt alles am Kinn, irgendwie verhakt in der Schnalle. Ich habe solche Lust auf Luft! Trinken möchte ich sie! Oh, wie freut sich mein schwitze…

CORONA 4

Nicht müde werden…

sondern dem Wunder,
leise,
wie einem Vogel,
die Hand hinhalten.

Hilde Domin

Ich sehe viele kleine Wunder,
erlebe viele kleine Glücksmomente,
am Wegesrand
meines Lebens,
fühle in mir,
in Körper, Geist und Seele,
die Kostbarkeit des Lebens,
ein großartiges Geschenk.

So sollte es sein,
für jeden von uns.
So wird es auch sein,
für viele von uns.

So ist es nicht,
für manche von uns,
die von Armut, Krankheit,
Ausweglosigkeit,
begleitet werden,
zu müde, zu abgestumpft,
zu hasserfüllt,
um aufzustehen
und zu leben.

COVID 19 ist dort zu finden,
wo zu viel Enge ist,
zu viel Armut,
zu wenig Lebensraum,
zu wenig Perspektiven,
zu wenig von zu vielem.


Nicht müde werden,
und dem Wunder,
leise,
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Hilde Domin


Ich bin nicht zu müde,
um an Wunder zu glauben…

Ulla Granseuer am 25.6.2020

Mein Garten, meine Wohlfühloase

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Ein Gestell aus Tischböcken und Brettern, vollgestellt mit Blumenkästen, runde, längliche, große und kleine, das ist er, mein Garten. Seit Jahren habe ich ihn mir gewünscht. Jetzt ist er Wirklichkeit. Früher hatte ich einen "richtigen" Garten, eine Fläche von ca. 20 qm. Einen Garten, wo man sich bücken musste um in Erde zu wühlen. Ich liebte es, wenn die Hände in die Erde tauchten und die Finger die Erdklumpen zerdrückten. Es fällt mir schwer dieses Gefühl zu beschreiben. Erde schenkt uns Leben. Pflanzen durchbrechen zaghaft die Erdoberfläche, werden größer und kräftiger. Würmer graben sie um, sorgen für luftigen, lockeren Boden. Du bist Acker-, Mutterboden, enthältst organische Substanzen und bist als Erdreich unser Lebensraum, Erde ein Planet in unserem Sonnensystem.
Dann zog sie bei mir ein, erlaubte mir nicht meinen "richtigen" Garten weiter zu bearbeiten. Ich musste zusehen, wie er immer mehr vergammelte. Schließlich wurde die Erde planiert und mit Platten bele…

Schreibimpuls: Woran glaubst du?

Das diesjährige Droste-Festival widmet sich dem Thema GLAUBEN und trägt den Titel:  
Believe (in) us
5 Lesebürger*innen haben in einem interaktiven Schreibprozess zusammengetragen, woran sie glauben. So ist dieses INTRO entstanden. Und das war erst der Anfang... Das Thema hat uns gepackt...

Meine Anregung heute für dich/für euch:

Erstelle ein eigenes Glaubensbekenntnis in Form eine Liste mit dem wiederholenden Zeilenanfang "Ich glaube an..."
Ob allein oder im kreativen Prozess mit anderen, bei einem Spaziergang, im Gottesdienst, am Familientisch, im Homeoffice..., nimm die Anregung ein wenig mit in deinen Alltag.
Es ist eine Gelegenheit für mehr Bewusstheit und für anregende Gespräche.

Elisabeth am 21. Juni 2020

Zwanzigzwanzig

Euch umarmen
Noch nicht
Chorsingen
Noch nicht
Fahren wohin ich will
Noch nicht
Ins Konzert
Noch nicht
Endlich wieder auf die Bühne
Noch nicht
Echtes Publikum
Noch nicht
Schwimmen in der Halle
Noch nicht
Ich zu dir
Noch nicht
Er hatte es schon ich
Noch nicht
Ich weiß
Noch nicht
Wir alle wissen alles
Noch nicht
Sag mal ganz oft
Noch nicht
Noch nicht noch nicht noch nicht
Nochnichtnochnichtnochnicht
Zwanzigzwanzig ist nämlich
Das Nochnichtjahr
Und es ist
Noch nicht
Zu Ende
Noch nicht

Gundula Buitkamp am 21. Juni 2020







Sandalen kaufen

Auf der Straße tummeln sich schon wieder viele Menschen. Sie essen Eis und drängen sich auf den Bürgersteigen. Ihre Unbefangenheit wundert mich. Das ist ja fast wie früher …
Ich betrete das Kaufhaus, greife mir einen Plastikkorb und gerate in eine völlig andere Welt. Leere Rolltreppen rauschen von einem Geschoss ins andere. Niemand fährt mit. Außer mir. Das ist nicht normal. Mein Gesicht macht es sich gemütlich im Mundschutz. Warum macht der mich eigentlich so schläfrig? So hoch ziehe ich sonst nur meine Bettdecke, bevor ich die Augen zumache. Ich stehe dösend auf der Rolltreppe. Die letzte Stufe verschwindet unter mir im Boden und wirft mich unsanft ab. Ich brauche Trekkingsandalen. Aber es gibt nur genau ein Modell Herrensandalen ab Größe 42, das war´s. Ich würde sie ja nehmen, wenn ich Füße hätte wie ein Herr. Zu gerne würde ich diesen klinisch toten Laden unterstützen. Ungläubig schleiche ich um das Regal herum. Es kann doch nicht sein, dass ich in der Outdoor-Abteilung des größten…

Johannimarkt

Jeder
m/w/d
hat einen anderen Vater.
Mein Vater liebte den Mittsommertag.
Dort wo er zuhause war,
nennt  man diesen Tag Johannistag.
Bunte Händler kommen,
schon zweihundert Jahre und mehr,
in den sonnigen Ort an der Schweizer Grenze.
Wieder-Begegnungen und Fröhlichkeit
gibt es zu den angebotenen Waren.
Einmal war auch ich dort,
an so einem Tag.
Ich besuchte das Leben meines Vaters.
Es hat mir gefallen.
Immer am Johannistag leuchtet es mir nach.
Seine Seele reicht jetzt bis in den Norden.

Anita Oefinger, 19.6.2020

Ganz von der Rolle

Nachdem Pastor Orans in mindestens zehn Lebensmittelläden und Drogerien seiner Stadt vergeblich nach Klopapier gefragt hatte, gönnte er sich eine Verschnaufpause in der christlichen Buchhandlung, wo sein Freund Legens sofort sein Buch aus der Hand legte und ihm einen Cappuccino zubereitete. Legens sah Orans an, dass ihm etwas fehlte. Deshalb fragte er ihn: „Na, was fehlt dir denn?“
„Klopapier fehlt mir“, sagte Orans. „Bald gehen die Gottesdienste wieder los, unsere liebe Frau Purgans ist in Quarantäne und kann sich um nichts kümmern, und auf den Gemeindehaustoiletten sind nur noch drei Rollen. Ich muss irgendwo Klopapier auftreiben.“
Orans seufzte, doch in Legens´ Augen funkelte es.
„Du kommst wie gerufen! Ich war kreativ während der Schließzeit. Pass mal auf, ich zeige dir meine verrückte Idee. Das hier habe ich erfunden und drucken lassen.“
Er griff schnell unter seinen Tresen und stellte eine Rolle Klopapier vor Orans ab. „Was sagst du dazu?“
„Naja, das ist Klopapier – aber nur eine Rol…

CORONA 3

Flucht in Traumwelten,
in vergangene Zeiten,
Sehnsucht,
unendliche Sehnsucht…

In Büchern eintauchen,
in Erzählungen,
in Bildern versinken,
Phantasie, Erinnerungen und Wirklichkeit
werden eins.

Eine Auszeit,
aufgezwungen,
abgelehnt,
zögernd angenommen.
Zur rechten Zeit
Muße, Ruhe und Stille,
Freundlichkeit und Freude,
Zeit zur Besinnung.
Aus meinem Reichtum schöpfen,
mich erinnern und verschenken…

Und doch…

Angst und Sorge bleiben,
wann kommt die zweite Welle,
Tsunami oder sanft verlaufend?

Sorglosigkeit,
Leichtfertigkeit nehmen zu,
Dummheit der Politiker,
Drohungen und Wadenbeißen,
Ablehnung der Maßnahmen,
in Fragestellung der Vorschriften,
Verneinung der Pandemie,
Verschwörungstheorien,
Demonstrationen,
Kriminalität,
fehlende Menschlichkeit,
Ausbeutung,
stehen in großen Lettern vor uns,
sind die Balken in unserem Auge.

Durch Raum und Zeit,
über alle Entfernungen hinweg…
meine Kerzen brennen,
meine guten Wünsche sind
auf dem Weg …

Der Frühling lacht dem Sommer entgegen,
heißt ihn willkommen.
Ich umarme das Leben in tiefer Freu…

CORONA 2

Nein,
keine Krone,
keine Krönung,
kein Märchenkönig,
kein Erlkönig,
kein Prinz Eisenherz,
keine Himmelskönigin,
keine Schneekönigin,
keine Eisprinzessin,
keine Königin der Nacht.

Nein,
keine Krone,
für nichts und niemand.
Es wird nichts beschönigt,
nicht drumherum geredet,
nennen wir „es“ beim Namen:
COVID 19.

COVID 19
lähmt,
legt still,
schickt Krankheit und Tod,
hält uns den Spiegel vor,
schafft Parallelwelten
für mich,
für andere?

Dieser wunderbare Frühling,
die Fürsorge und Nächstenliebe,
das Miteinander und Füreinander,
Singen und Musizieren
in Höfen und auf Balkonen,
Beifallklatschen für Berufsgruppen,
die Achtung und Respekt,
auch monetär,
schon längst verdient haben
und voller Ironie und Abwehr,
erschöpft und müde,
abwinken…

Staatliche unkomplizierte Hilfe,
der Ideenreichtum im Netz,
nicht nur aufmunternd,
musikalisch, kirchlich,
fürsorglich,
auch betrügerisch,
ausnutzend, menschenverachtend.
Parallelwelten…

Kriminelle Energien erwachen
und kriechen aus dem Dunkel ans Tageslicht.
Welches Ausmaß werden sie annehmen,
wer set…

Schreibimpuls: Was man alles weglassen kann...

Heute begegnete mir ein Gedicht, das mit den Zeilen beginnt:
was man alles weglassen kann...
Diese Inspiration von Jutta Piehler möchte ich hier gerne aufgreifen und dazu einladen, ein eigenes Gedicht zu schreiben. Hierzu eignet sich vorzüglich die Listenform.
Einfach ein Blatt zur Hand nehmen und notieren:
was man alles weglassen kann: ... ... ...
usw.

und dann eine Liste anschließen von all dem,

was bleiben muss: ...
... ... usw.
Zum Schluss, wenn es sich ergibt, ein oder zwei Zeilen für ein Fazit.
Und wie immer, bist du herzlich eingeladen, deine Liste hier mit anderen zu teilen.
Elisabeth am 11. Juni 2020

Aus dem Tagebuch eines Geheimsängers

8. Juni 2035
21:00 Uhr: Mal wieder Glück gehabt, die Jäger haben uns nicht festnehmen können. Unser Fluchtweg über die versteckte Außentreppe des Kellerraums und durch die Zaunlücken im Park war unsere Rettung. Außerhalb des Zauns verteilten wir uns in den umliegenden Wohnstraßen und gaben uns den Anschein harmloser Spaziergänger oder von der Arbeit heimkehrender Familienväter und -mütter. Allerdings müssen wir uns nun endgültig ein neues Probenversteck suchen – noch einmal wird das SJK (Sänger-Jäger-Kommando) sich nicht an der Nase herum führen lassen.
Für unsere älteren Mitsänger*Innen wird es auch langsam zu gefährlich. Die ständige Anspannung und spontane Fluchtbereitschaft zehrt an den Nerven und lässt die Singstunde für manch einen zur Qual werden.
Wir jungen Sänger*Innen machen uns eher einen Sport daraus, das SJK zu verwirren und wir finden auch immer wieder neue Locations für unsere verbotenen Proben. Aber ohne unsere „Alten“, die uns immer wieder von der Zeit erzählen, bevor di…

Schreibimpuls: Bilder aus der Natur und die Kraft des Dreizeilers

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Schreibimpuls:
Wähle eines dieser Fotos aus und notiere dazu, was dir in den Sinn kommt. Fasse danach deine Gedanken in 3 Zeilen, so knapp wie möglich, um die Essenz herauszuschälen. Gib deinem Dreizeiler eine Überschrift. Und last but not least: teile deinen Dreizeiler gerne hier in diesem Blog.
Elisabeth am 6. Juni 2020