Posts

Es werden Posts vom Mai, 2020 angezeigt.

Frohe Pfingsten!

Bild
Frohe Pfingsten!

... dem Wunder leise die Hand hinhalten

Bild
(Foto: Elisabeth Klempnauer - Bank auf der Insel Föhr) . .. dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten Hilde Domin   aus dem Gedicht "Wahl" Das folgende Foto hat Ulla Granseuer beigetragen (c) Ulla Granseuer

Poetische Momente

Es ist die Zeit nun, daß im Wald der Nachtigallen Lied erschallt, folglich die Zeit, wo man am wenigsten der mindestens geistigen Nähe werther Personen entbehren kann. … Wüßten Sie, wie schön es jetzt so recht draußen ist (nicht vor ihrem Mauritz-Thore, wo die halbe Stadt promenirt, allen Staub lebendig und alle Vögel stumm macht), sondern hier, so recht auf dem Lande, wie voll Frieden und Sonnenschein, Lerchenwirbel und Nachtigallengesang. …  Zwar fehlen dem Jahr noch die Früchte frisch vom Strauch gepflückt, die vollständige Belaubung und der fast berauschende Duft, mit dem späterhin Rosen und Syringen, Gewürzstrauch und Reseda die Luft füllen werden, aber doch verbreitet das junge Laub einen höchst lieblichen Geruch. …  Ich saß auf der Bank am Hause, ließ mir von den Nachtigallen vorsingen, von der Luft zuwehen und war ganz und gar Sybaritisch* gestimmt.  Warum ist man wohl so ungeneigt zu poetischen Arbeiten in so höchst poetischen Momenten? Ich denke wohl, weil der Genuß den re

Die heilige Zitronenrolle

Bild
Nie hätte ich gedacht, dass dieses Kuchenstück einmal zum Highlight des Tages mutieren könnte. Es ist sozusagen die Belohnung dafür, dass ich etwas Anstrengendes hinter mich gebracht habe. Aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen ist für mich schon ein Spaziergang im Park, ein Zoobesuch oder längeres Laufen anstrengend. Dabei kann ich meinen Rollator jetzt in Corona Zeiten aufgrund der Abstandsregelung nicht unbedacht an Menschen vorbeischieben, sondern muss dabei immer im Blick haben, dass ich ihnen nicht zu nahekomme. Sowohl die körperliche wie auch die psychische Anstrengung kostet mich doppelte Kraft. Da kommt meine Zitronenrolle ins Spiel: Wenn ich nach einem Ausflug zuhause wieder erschöpft in den Sessel oder auf einen Stuhl sinke, ist mein erster Griff zum Kuchenteller. Es mag albern erscheinen, aber vor meinem Weggang stelle ich zurzeit einen Teller mit einem abgeschnittenen Stück der tiefgefrorenen Zitronenrolle zum Auftauen auf einen Tisch in Reichweite. So geht das s

fahrzeit

Bild
ich fahre und fahre und weiß nicht wohin quer durch's blaukreuzwäldchen dauert es ein weilchen. ich fahre und fahre und weiß nicht wohin die sonne brennt auf'm rücken das virus verjagt mücken. ich fahre und fahre und weiß nicht wohin gelenkt durch bunte pfeile geht's durch die einkaufsmeile. ich fahre und fahre und weiß nicht wohin meine maske ist zu haus deshalb fällt einkaufen aus. ich fahre und fahre und weiß nicht wohin cafés, restaurants sind zu kein ort für ein rendezvous. ich fahre und fahre und weiß jetzt wohin ich fahre heim weg von dem keim. ich fahre und fahre und weiß jetzt wohin sammel berge von energie für's leben nach der pandemie. Maria Eifrig , Mai 2020

Videosprechstunde

Therapeut:  Hallo? Patient:      ...  ...  ... T:    Hallo? ...  Sind Sie da? P:    Oh, hallo! … Können Sie mich sehen? T:    Ja. Sie sind etwas verpixelt, aber ich kann Sie sehen. P:    Okay. Ich dachte schon, ich hätte beim Einwählen was falsch gemacht. T:    Nein, alles gut. Es ist ja auch gerade erst halb sieben. Pünktlich also. P:    Na, man weiß ja nicht...diese Technik ist ja für mich neu. T:    Hat doch alles gut geklappt... P:    Ja... T:    Wie geht’s Ihnen heute? P:    Hmm...ach... ich weiß nicht. T:    ...???... P:    Ist gerade ein bisschen ungewohnt... diese Situation. T:    Das verstehe ich. P:    ... T:    Wir hatten ja gesagt, wir probieren es einfach mal aus. P:    Okay... T:    Haben Sie das mit den Aerosolen gehört letzte Tage? P:    Äh... dass der Virus durch die Atemluft...   / /   T:   Trotz Maske kann der... P:    .... T:    .... P:    Kann es sein, dass wir eine Zeitverzögerung drin haben? T:    Hmm... ein bisschen vielleicht. P:    ...  ... ... T:    Was haben

Schlendern, einfach nur schlendern

Bild
Ich staune immer wieder, wieviele mir bisher unbekannte Wege es in der nahen Umgebung gibt. Und was es da alles zu entdecken gibt. Gestern zum Beispiel begegneten mir Kornblumen mit ungewöhlicher Färbung, verdrehte Kirschbäume und "Worte am Fluss".Während ich noch über die Farbe der Kornblumen und die Drehung der Kirschbaumstämme rätselte, hörte ich in die "Worte am Fluss" hinein: "Schlendern" an der Berkel Und so erging es mir wie der Droste, die so schön staunte: „... was man nicht alles bemerkt auf einer Tagfahrt zwischen Wallhecken,  den Himmel über, die Pfütze unter sich“ . Elisabeth am 21.5.2020  siehe auch: Schlendern von K. Wecker ( Text ) siehe auch: Schlendern von K. Wecker ( Lied ) Fundstücke von Leserinnen dieses Blogs: Zweisamkeit in Waldeinsamkeit (Bild zum Vergrößern anklicken) Hildegard am 9.6.2020

Unsichtbar

U  nscheinbar kommt über N  acht S  chleichend und I   nfam das C  oronavirus aus dem H  interhalt T  age der B  etroffenheit bewirken A  bstandhalten bis das R  isiko in der Sommersonne verduftet  Maria, 17.5.2020

Zwei Kumpels auf Abstand

Bild
Foto: Jens Kanneberg  „Hallo Max, wie geht’s?" "Werner, du weißt doch, mir geht's immer gut." "Ich wollte mal hören, wie du mit dem Coronavius klarkommst. Außerdem vermisse ich unser Feierabend Bier.“ „Das einzige was stört, ist, dass ich den ganzen Tag mein hübsches Gesicht hinter einer Maske verstecken muss.“ „Das kann ich gut verstehen. Bei mir beschlägt lfd. die Brille und ich finde es fürchterlich warm hinter der Maske.“ „Sag mal Werner, was hältst du von einem Abstandsbier?“ „Lieber Freund, wenn Du mir verrätst, was das ist, bin ich gern dabei.“ „Das ist doch klar! Wir treffen uns, halten 1,5 m Abstand und trinken ein Bier.“ „Das ist eine gute Idee. Wie üblich am Freitag, um die gewohnte Zeit?“  „Einverstanden, am Freitag. Was hältst du vom Covid-19 Park? Wir finden dort sicher eine Bank, mit der wir Abstand halten können.“ „Super Idee. Bis Freitag.“ Das Telefonat ist beendet. Max und Werner, die sich sonst einmal im Monat getroffen hab

Beim Lesen alter Briefe

Da meine Kurse derzeit ausfallen müssen, habe ich mich ans Sichten alter Briefe gemacht. Dabei fiel mir ein Brief von unserer Ost-Freundin Toni aus dem Jahr 1973 in die Hände. Sie beschreibt, wie schwierig sich das Leben gestaltet und auch, mit welcher Haltung es gemeistert wurde: "Bei uns waren schwere Zeiten. Zwischendurch hatten sich die Jahre gebessert, es hatte so den Eindruck. Aber es gibt immer noch Probleme und gerade 1972/73 hat es den Anschein, so wie schon Lenin schrieb, "Ein Schritt vorwärts, zwei zurück!", genau so ist bei uns jetzt die Situation. Es hapert sogar schon an Importmarmelade. Die gab es vor zwei Jahren in reicher Auswahl und heuer ist nichts zu haben. Für die Verkäuferinnen ist das auch nicht schön, denn sie müssen sich das Genöle der Kundschaft anhören und sind auch der Meinung, daß es schon besser war. Das ist sicherlich der Krebsschaden des Sozialismus, es ist nichts Vollkommenes. Dabei sind wir alle bestimmt sehr bescheiden.  Um sich nich

Sprachlos

Bild
Sprachlos macht mich das Ausmaß der Corona-Pandemie. Sprachlos macht mich die Kontaktbeschränkung. Sprachlos macht mich die Dummheit. Sprachlos macht mich diese Zeit, die wir gerade erleben. Und doch wird zur Zeit so viel gesprochen, wie noch nie: so viel Unsinniges, so viel Unwahres, so viel Gefährliches. Etwas mehr Sprachlosigkeit täte manchem gut! Elfriede Lenzen , 13.5.2020

Ein besonderer Moment

Nur unscharf, fast traumähnlich, stand plötzlich die Szene vor ihren Augen. Sie konnte keine Einzelheiten erkennen. Im Vordergrund machte sie eine kleine Ansammlung reetgedeckter Häuser aus. Dahinter hohe Bäume und oben auf dem Hügel eine Art Schloss oder eine Burg. Vor den Reet-Häusern unten am Fluss eine bunte Ansammlung von Menschen auf einer Wiese. Es sah aus, als tanzten sie. Ein Pärchen war gerade im Begriff, sich wegzustehlen. Ein dunkel gekleideter Mann stand an der Seite eines der Häuser. Ein Zuschauer? Ein Aufpasser? Würde er die beiden aufhalten, das Tanzen verbieten sobald es zu wild wurde? Oder war er einfach nur von diesem Schauspiel angelockt? So wie die Beobachterin am anderen Flussufer, die von dem Anblick dieser fröhlich tanzenden Menschen so fasziniert war, dass sie für eine Weile ihre Pflichten vergaß und einfach nur dastand und schaute. Nichtstun war etwas, das sie nicht kannte. Ihr Alltag war geprägt von einer endlosen Kette von Pflichten, ebenso einer endlosen Ke

ich sehe was, was du nicht siehst

ach C.
 warum bist du unsichtbar
 könntest du nicht
 eine kleine Haarsträhne verfärben
 bei dem Menschen
 den du wähltest 
in grün
 oder orange
 so könnte er sich schützen 
sich und die anderen
 du machst es uns schwer 
mit deiner Unsichtbarkeit
 Abstand
 zu unseren Liebsten 
wird bleiben
 für eine lange Zeit

 aber Mutlächeln verschenken 
und neue Formen 
der Begegnung zu finden
 ist jetzt 
die Einladung der Zeit Ute Sunke , 9.5.2020

der sichere ort

die augen schließen eintauchen in meine innere welt räume durchstreifen landschaften ausschau halten nach einem sicheren ort einatmen tief ausatmen mich treiben lassen weit über das blaue meer eine insel ein heller sandstrand menschenleer hohe dünen ein sanfter wind spielt mit den gräsern ein strandkorb ich richte mich ein eine flauschige decke ein kleines kissen ein buch mein schreibzeug rotwein füße im warmen sand sonnenbeschienen ruhe ich aus AnneGret , 06.05.2020

Corona mal positiv - der Geldautomat

Bild
Bild von Pixabay Mein Vorrat an Bargeld geht langsam zur Neige. Also mache ich mich auf den Weg zu meiner Bankfiliale. Dort stehe ich vor verschlossenen Türen. Der Bankschalter ist nicht geöffnet, kein Mitarbeiter steht zur Verfügung. Ein Aushang verrät mir „Kontakt erfolgt wegen des Coronavirus nur nach Terminvereinbarung.“ Wie komme ich an Bargeld? Laut Internet gibt es in der Filiale einen behinderten gerechten Geldautomaten. Es kommt nur ein Automat in Frage. Ob ich mich traue ihn zu benutzen? Der Vorraum der Bank ist fast leer, also keine neugierigen Blicke, die mich nervös machen könnten. Der Geldautomat verfügt über Beinfreiheit, heißt, ich kann unter ihn rollen. Da mir ein "Luxusrollstuhl" mit Lift-, Liege- und Steh-Funktion zur Verfügung steht, komme ich nahe genug an den Schacht für die EC-Karte. Karte einführen, Betrag auswählen, Stückelung eingeben, das ist schwierig, erst mache ich es falsch, dann richtig. Gestresst von der ungewohnten Situation, bestätige

Sonntagsgedanken


Sehr geehrte Frau Klempnauer,
 in diesen bewegten, eng gewordenen Zeiten,
 sucht wohl ein jeder und eine jede nach einem
 guten Umgang mit den ständigen Veränderungen.
 Meine Seele ist zutiefst betrübt, weil ihr die Luft
 zugeschnürt wird.
 Die Menschen wirken so bekümmert ängstlich, 
 dass ich es kaum aushalten kann. 
Unser Leben ist immer lebensgefährlich, nicht erst jetzt
 durch Corona-Wirrwarr.
 Die ständig einzuhaltenden Regeln überall,
 die Daueranstrengung alles richtig zu machen,
 niemand mehr zu nahe zu kommen,
 weil das schon fast ein Verbrechen ist.
 Wie bizarr ist das Alles.
 Vielleicht sehe ich die augenblickliche Lage nicht mit der richtigen Vorsichtsbrille.
 Ich habe überhaupt keine Brille mehr auf.
 Ich halte mein Gesicht in die Sonne und hoffe, 
 dass meine Seele einen guten Weg findet. wenn uns nur noch
 die Angst im Nacken sitzt
 können wir bald 
nicht mehr
 aufrecht 
gehen Mit ganz herzlichen Grüßen Ute Sunke

Ein Wald

Ein Wald in der Nähe des Schlosses vor Jahrzehnten entdeckt ein Kleinod, das ich regelmäßig mit dem Rad durchfahre ein Wald mit tiefen Gräben und dunklen Wassern darin in mir tut sich ein Reich der Fantasie auf ich denke an Kindertage, als ich Angst vor dem „Muddkerl“ hatte ein Wald mit einer artenreichen, blühenden Krautschicht im Frühjahr und ich finde mich in die Zeit meiner feldkundlichen Untersuchungen im Bagno zurück versetzt ein Wald mit so vielen imposanten Fingerhutpflanzen, die mich sehr erfreuen gerne hätte ich ein paar davon in meinem Garten ein Wald, der mir lieb geworden ist durch die Menschen in seiner Nähe und ihren erzählten Geschichten ein Wald, der mir vertraut geworden ist durch das Durchschreiten der tiefen Gräben mit meiner liebsten Freundin ein Wald, der Grenzen verschwinden und Weite entstehen und sehen lässt Wir kommen im April 2020 aus dem Grün des wundervollen alten Waldes in das Sonnenlicht und schauen auf die jüngst bestellten großen Maisfelder es ist nicht