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Es werden Posts vom Mai, 2020 angezeigt.

Frohe Pfingsten!

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Frohe Pfingsten!

... dem Wunder leise die Hand hinhalten

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... dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten

Hilde Domin
aus dem Gedicht "Wahl"







Das folgende Foto hat Ulla Granseuer beigetragen



Poetische Momente

Es ist die Zeit nun, daß im Wald der Nachtigallen Lied erschallt, folglich die Zeit, wo man am wenigsten der mindestens geistigen Nähe werther Personen entbehren kann. … Wüßten Sie, wie schön es jetzt so recht draußen ist (nicht vor ihrem Mauritz-Thore, wo die halbe Stadt promenirt, allen Staub lebendig und alle Vögel stumm macht), sondern hier, so recht auf dem Lande, wie voll Frieden und Sonnenschein, Lerchenwirbel und Nachtigallengesang. … 
Zwar fehlen dem Jahr noch die Früchte frisch vom Strauch gepflückt, die vollständige Belaubung und der fast berauschende Duft, mit dem späterhin Rosen und Syringen, Gewürzstrauch und Reseda die Luft füllen werden, aber doch verbreitet das junge Laub einen höchst lieblichen Geruch. … 
Ich saß auf der Bank am Hause, ließ mir von den Nachtigallen vorsingen, von der Luft zuwehen und war ganz und gar Sybaritisch* gestimmt. 
Warum ist man wohl so ungeneigt zu poetischen Arbeiten in so höchst poetischen Momenten? Ich denke wohl, weil der Genuß den regelre…

Die heilige Zitronenrolle

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Nie hätte ich gedacht, dass dieses Kuchenstück einmal zum Highlight des Tages mutieren könnte. Es ist sozusagen die Belohnung dafür, dass ich etwas Anstrengendes hinter mich gebracht habe. Aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen ist für mich schon ein Spaziergang im Park, ein Zoobesuch oder längeres Laufen anstrengend. Dabei kann ich meinen Rollator jetzt in Corona Zeiten aufgrund der Abstandsregelung nicht unbedacht an Menschen vorbeischieben, sondern muss dabei immer im Blick haben, dass ich ihnen nicht zu nahekomme. Sowohl die körperliche wie auch die psychische Anstrengung kostet mich doppelte Kraft. Da kommt meine Zitronenrolle ins Spiel:

Wenn ich nach einem Ausflug zuhause wieder erschöpft in den Sessel oder auf einen Stuhl sinke, ist mein erster Griff zum Kuchenteller. Es mag albern erscheinen, aber vor meinem Weggang stelle ich zurzeit einen Teller mit einem abgeschnittenen Stück der tiefgefrorenen Zitronenrolle zum Auftauen auf einen Tisch in Reichweite.

So geht das schon …

fahrzeit

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ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
quer durch's blaukreuzwäldchen
dauert es ein weilchen.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
die sonne brennt auf'm rücken
das virus verjagt mücken.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
gelenkt durch bunte pfeile
geht's durch die einkaufsmeile.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
meine maske ist zu haus
deshalb fällt einkaufen aus.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
cafés, restaurants sind zu
kein ort für ein rendezvous.

ich fahre und fahre
und weiß jetzt wohin
ich fahre heim
weg von dem keim.

ich fahre und fahre
und weiß jetzt wohin
sammel berge von energie
für's leben nach der pandemie.

Maria Eifrig, Mai 2020

Videosprechstunde

Therapeut:  Hallo?
Patient:      ...  ...  ...
T:    Hallo? ...  Sind Sie da?
P:    Oh, hallo! … Können Sie mich sehen?
T:    Ja. Sie sind etwas verpixelt, aber ich kann Sie sehen.
P:    Okay. Ich dachte schon, ich hätte beim Einwählen was falsch gemacht.
T:    Nein, alles gut. Es ist ja auch gerade erst halb sieben. Pünktlich also.
P:    Na, man weiß ja nicht...diese Technik ist ja für mich neu.
T:    Hat doch alles gut geklappt...
P:    Ja...
T:    Wie geht’s Ihnen heute?
P:    Hmm...ach... ich weiß nicht.
T:    ...???...
P:    Ist gerade ein bisschen ungewohnt... diese Situation.
T:    Das verstehe ich.
P:    ...
T:    Wir hatten ja gesagt, wir probieren es einfach mal aus.
P:    Okay...
T:    Haben Sie das mit den Aerosolen gehört letzte Tage?
P:    Äh... dass der Virus durch die Atemluft...   / /   T:   Trotz Maske kann der...
P:    ....
T:    ....
P:    Kann es sein, dass wir eine Zeitverzögerung drin haben?
T:    Hmm... ein bisschen vielleicht.
P:    ...  ... ...
T:    Was haben Sie denn für eine Lei…

Schlendern, einfach nur schlendern

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Ich staune immer wieder, wieviele mir bisher unbekannte Wege es in der nahen Umgebung gibt. Und was es da alles zu entdecken gibt. Gestern zum Beispiel begegneten mir Kornblumen mit ungewöhlicher Färbung, verdrehte Kirschbäume und "Worte am Fluss".Während ich noch über die Farbe der Kornblumen und die Drehung der Kirschbaumstämme rätselte, hörte ich in die "Worte am Fluss" hinein:
"Schlendern" an der Berkel

Und so erging es mir wie der Droste, die so schön staunte:

„... was man nicht alles bemerkt auf einer Tagfahrt zwischen Wallhecken, 
den Himmel über, die Pfütze unter sich“.

Elisabeth am 21.5.2020 

siehe auch: Schlendern von K. Wecker (Text)
siehe auch: Schlendern von K. Wecker (Lied)

Fundstücke von Leserinnen dieses Blogs:

Zweisamkeit in Waldeinsamkeit (Bild zum Vergrößern anklicken) Hildegard am 9.6.2020




Unsichtbar

U  nscheinbar kommt über
N  acht
S  chleichend und
I   nfam das
C  oronavirus aus dem
H  interhalt
T  age der
B  etroffenheit bewirken
A  bstandhalten bis das
R  isiko in der Sommersonne verduftet 

Maria, 17.5.2020

Zwei Kumpels auf Abstand

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„Hallo Max, wie geht’s?"
"Werner, du weißt doch, mir geht's immer gut."
"Ich wollte mal hören, wie du mit dem Coronavius klarkommst. Außerdem vermisse ich unser Feierabend Bier.“
„Das einzige was stört, ist, dass ich den ganzen Tag mein hübsches Gesicht hinter einer Maske verstecken muss.“
„Das kann ich gut verstehen. Bei mir beschlägt lfd. die Brille und ich finde es fürchterlich warm hinter der Maske.“
„Sag mal Werner, was hältst du von einem Abstandsbier?“
„Lieber Freund, wenn Du mir verrätst, was das ist, bin ich gern dabei.“
„Das ist doch klar! Wir treffen uns, halten 1,5 m Abstand und trinken ein Bier.“
„Das ist eine gute Idee. Wie üblich am Freitag, um die gewohnte Zeit?“ 
„Einverstanden, am Freitag. Was hältst du vom Covid-19 Park? Wir finden dort sicher eine Bank, mit der wir Abstand halten können.“
„Super Idee. Bis Freitag.“

Das Telefonat ist beendet. Max und Werner, die sich sonst einmal im Monat getroffen haben, freuen sich riesig. Das Treffen b…

Beim Lesen alter Briefe

Da meine Kurse derzeit ausfallen müssen, habe ich mich ans Sichten alter Briefe gemacht. Dabei fiel mir ein Brief von unserer Ost-Freundin Toni aus dem Jahr 1973 in die Hände. Sie beschreibt, wie schwierig sich das Leben gestaltet und auch, mit welcher Haltung es gemeistert wurde:

"Bei uns waren schwere Zeiten. Zwischendurch hatten sich die Jahre gebessert, es hatte so den Eindruck. Aber es gibt immer noch Probleme und gerade 1972/73 hat es den Anschein, so wie schon Lenin schrieb, "Ein Schritt vorwärts, zwei zurück!", genau so ist bei uns jetzt die Situation. Es hapert sogar schon an Importmarmelade. Die gab es vor zwei Jahren in reicher Auswahl und heuer ist nichts zu haben. Für die Verkäuferinnen ist das auch nicht schön, denn sie müssen sich das Genöle der Kundschaft anhören und sind auch der Meinung, daß es schon besser war. Das ist sicherlich der Krebsschaden des Sozialismus, es ist nichts Vollkommenes. Dabei sind wir alle bestimmt sehr bescheiden. 
Um sich nicht au…

Sprachlos

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Sprachlos macht mich das Ausmaß der Corona-Pandemie.
Sprachlos macht mich die Kontaktbeschränkung.
Sprachlos macht mich die Dummheit.
Sprachlos macht mich diese Zeit, die wir gerade erleben.
Und doch wird zur Zeit so viel gesprochen, wie noch nie:
so viel Unsinniges, so viel Unwahres, so viel Gefährliches.
Etwas mehr Sprachlosigkeit täte manchem gut!

Elfriede Lenzen, 13.5.2020

Ein besonderer Moment

Nur unscharf, fast traumähnlich, stand plötzlich die Szene vor ihren Augen. Sie konnte keine Einzelheiten erkennen. Im Vordergrund machte sie eine kleine Ansammlung reetgedeckter Häuser aus. Dahinter hohe Bäume und oben auf dem Hügel eine Art Schloss oder eine Burg. Vor den Reet-Häusern unten am Fluss eine bunte Ansammlung von Menschen auf einer Wiese. Es sah aus, als tanzten sie. Ein Pärchen war gerade im Begriff, sich wegzustehlen. Ein dunkel gekleideter Mann stand an der Seite eines der Häuser. Ein Zuschauer? Ein Aufpasser? Würde er die beiden aufhalten, das Tanzen verbieten sobald es zu wild wurde? Oder war er einfach nur von diesem Schauspiel angelockt? So wie die Beobachterin am anderen Flussufer, die von dem Anblick dieser fröhlich tanzenden Menschen so fasziniert war, dass sie für eine Weile ihre Pflichten vergaß und einfach nur dastand und schaute. Nichtstun war etwas, das sie nicht kannte. Ihr Alltag war geprägt von einer endlosen Kette von Pflichten, ebenso einer endlosen K…

ich sehe was, was du nicht siehst

ach C.

warum bist du unsichtbar

könntest du nicht

eine kleine Haarsträhne verfärben

bei dem Menschen

den du wähltest

in grün

oder orange

so könnte er sich schützen

sich und die anderen

du machst es uns schwer

mit deiner Unsichtbarkeit

Abstand

zu unseren Liebsten

wird bleiben

für eine lange Zeit



aber Mutlächeln verschenken

und neue Formen

der Begegnung zu finden

ist jetzt

die Einladung der Zeit

Ute Sunke, 9.5.2020

der sichere ort

die augen schließen
eintauchen
in meine innere welt
räume durchstreifen
landschaften
ausschau halten
nach einem sicheren ort
einatmen
tief
ausatmen
mich treiben lassen
weit über das blaue meer
eine insel
ein heller sandstrand
menschenleer
hohe dünen
ein sanfter wind
spielt mit den gräsern
ein strandkorb
ich richte mich ein
eine flauschige decke
ein kleines kissen
ein buch
mein schreibzeug
rotwein
füße im warmen sand
sonnenbeschienen
ruhe ich aus

AnneGret, 06.05.2020

Corona mal positiv - der Geldautomat

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Mein Vorrat an Bargeld geht langsam zur Neige. Also mache ich mich auf den Weg zu meiner Bankfiliale. Dort stehe ich vor verschlossenen Türen. Der Bankschalter ist nicht geöffnet, kein Mitarbeiter steht zur Verfügung. Ein Aushang verrät mir „Kontakt erfolgt wegen des Coronavirus nur nach Terminvereinbarung.“
Wie komme ich an Bargeld?
Laut Internet gibt es in der Filiale einen behinderten gerechten Geldautomaten. Es kommt nur ein Automat in Frage. Ob ich mich traue ihn zu benutzen? Der Vorraum der Bank ist fast leer, also keine neugierigen Blicke, die mich nervös machen könnten. Der Geldautomat verfügt über Beinfreiheit, heißt, ich kann unter ihn rollen. Da mir ein "Luxusrollstuhl" mit Lift-, Liege- und Steh-Funktion zur Verfügung steht, komme ich nahe genug an den Schacht für die EC-Karte. Karte einführen, Betrag auswählen, Stückelung eingeben, das ist schwierig, erst mache ich es falsch, dann richtig. Gestresst von der ungewohnten Situation, bestätige ich die Eingaben ohne G…

Sonntagsgedanken

Sehr geehrte Frau Klempnauer,

in diesen bewegten, eng gewordenen Zeiten,

sucht wohl ein jeder und eine jede nach einem

guten Umgang mit den ständigen Veränderungen.

Meine Seele ist zutiefst betrübt, weil ihr die Luft

zugeschnürt wird.

Die Menschen wirken so bekümmert ängstlich, 

dass ich es kaum aushalten kann.

Unser Leben ist immer lebensgefährlich, nicht erst jetzt

durch Corona-Wirrwarr.

Die ständig einzuhaltenden Regeln überall,

die Daueranstrengung alles richtig zu machen,

niemand mehr zu nahe zu kommen,

weil das schon fast ein Verbrechen ist.

Wie bizarr ist das Alles.

Vielleicht sehe ich die augenblickliche Lage nicht mit der richtigen Vorsichtsbrille.

Ich habe überhaupt keine Brille mehr auf.

Ich halte mein Gesicht in die Sonne und hoffe, 

dass meine Seele einen guten Weg findet.


wenn uns nur noch

die Angst im Nacken sitzt

können wir bald

nicht mehr
 aufrecht

gehen

Mit ganz herzlichen Grüßen
Ute Sunke

Ein Wald

Ein Wald
in der Nähe des Schlosses
vor Jahrzehnten entdeckt
ein Kleinod,
das ich regelmäßig mit dem Rad durchfahre

ein Wald
mit tiefen Gräben und
dunklen Wassern darin
in mir tut sich ein Reich der Fantasie auf
ich denke an Kindertage,
als ich Angst vor dem „Muddkerl“ hatte

ein Wald
mit einer artenreichen, blühenden Krautschicht im Frühjahr
und ich finde mich in die Zeit
meiner feldkundlichen Untersuchungen im Bagno zurück versetzt

ein Wald
mit so vielen imposanten Fingerhutpflanzen,
die mich sehr erfreuen
gerne hätte ich ein paar davon in meinem Garten

ein Wald,
der mir lieb geworden ist
durch die Menschen in seiner Nähe und
ihren erzählten Geschichten

ein Wald,
der mir vertraut geworden ist
durch das Durchschreiten der tiefen Gräben
mit meiner liebsten Freundin

ein Wald,
der Grenzen verschwinden und
Weite entstehen und sehen lässt

Wir kommen im April 2020 aus
dem Grün des wundervollen alten Waldes
in das Sonnenlicht
und schauen auf die jüngst bestellten großen Maisfelder

es ist nicht irgendein Wald
es ist ein Wald,
de…