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Es werden Posts vom April, 2020 angezeigt.

Einen schönen 1. Mai... und denkt daran...!

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Heute ist der Tag, an dem wir nach Spanien fliegen wollten

Heute ist der Tag, an dem wir nach Spanien fliegen wollten. Das ist nicht möglich. Ein bisschen traurig bin ich schon: Der kleine Ferienort an der andalusischen Atlantikküste ist über die Jahre zu meinem Ruheort geworden. Morgens lesen im kühlen Licht der aufgehenden Sonne, frisches Gemüse und Fisch auf dem Markt in der nahen Kleinstadt besorgen, ruhen, lesen, Musik hören, lange Strandspaziergänge im Abendlicht. Sonnenuntergänge. Ein Glas Wein. Zweisamkeit. Das werde ich in diesem Jahr vermissen. Meine Gedanken wandern zurück in meine Kindheit und in meine Jugend. Meine Ferien verbrachten meine Geschwister und ich bei Verwandten, später bei Schüleraustauschen in Frankreich und in England. Meine Eltern fuhren zum ersten Mal in Urlaub, als ich achtzehn Jahre alt war. Zuvor reichte das Geld nicht dafür aus. Heute frage ich mich: Wie machten sie das? Kein Urlaub, kein Luxus und trotzdem: Sie waren zufrieden, irgendwie glücklich! Sollten wir wirklich an der Grenze des Erträ

Schreiben wirkt!

Danke für den Morgengruß. Den hatte ich heute bitter nötig. Kein Gedicht liegt auf der Lauer. Ein dicker fetter Blues hat mich gestreift. Mir ins Ohr geflüstert: "Bleib liegen!“ Nix los draußen. Der Frühling wird überschätzt. Corona ist die Majestät "Oh, NEIN, heute ist der 30.April! Die Holzstapel warten darauf, angezündet zu werden um den Mai zu begrüßen, mit hellem Feuer, Menschen drum herum, die sich freuen, miteinander lachen. Stattdessen geht ein Gespenst um namens Corona. So ein schöner Name und doch.... Ich hab’ den fiesen Blues aus dem Bett gestupst, aus dem Dachfenster geworfen, wo er sich im Fluge auflöste. Dabei habe ich mich umgeschaut, gegenüber dieses neue Grün der Wiesen und Bäume wahrgenommen. Die Azaleen im Nachbargarten mit überwältigenden Farben. Ach, und das Vogelkonzert hat mich getröstet. Da kam ein Morgengruß zu mir. Fast alles wieder gut. Verlasse mich auf die Kraft der Wörter und den guten Kaffee... in Gedanken bei Euch, höre ich es flüstern: "S

Sie in Coronazeiten

Sie ist über 70. Sie gehört also zur Risikogruppe. Das weiß sie, seitdem das Coronavirus in Deutschland seinen Einzug gehalten hat. Als die Nachrichten über dieses Virus immer mehr verbreitet wurden, ließ sie sich zunächst von der allgemeinen Unruhe anstecken. Jeden Tag sickerten mehr Informationen und Befürchtungen über die drohende Pandemie durch alle Medien. Das Wort von Virologen, deren Namen sie nie gehört hatte, bekam besonderes Gewicht und gab den Politikern den Leitfaden für ihr Handeln. Nach und nach wurden Veranstaltungen abgesagt etc. Private Treffen und Feiern durften nicht nur zu ihrem Bedauern nicht mehr stattfinden. Arbeitsstätten mussten schließen. Beim Einkaufen wurde das Wort „Abstand“ zum geflügelten Wort. Als auch noch die Schulen  geschlossen wurden und Eltern und Kinder ihrem Schicksal mit Homeoffice und Homeschooling überlassen wurden, bekam sie allmählich eine Ahnung von dem Ausmaß dieser Pandemie. Mittlerweile  genießt sie diesen außergewöhnlichen Zustand. Mit

Löwenzahn

Der Sommer drückt sich aus allen Ritzen, mit aller Kraft, trotzt Asphalt und Mauern, dem Menschen, und leuchtet. Nicole , 24.04.2020

Kleines Wäldchen

Kleines Wäldchen Im Frühling Lungenkraut und Lichtnelken am Wegrand. Helles Buchengrün. Im Sommer trockene Gräben, lästige Bremsen. Im Winter matschige Wege. Verwüstungen durch Sturm und Borkenkäfer. Es wird dauern, bis die kleinen Bäume die Lücken wieder schließen. Kleines Wäldchen meines Alltags, zwischen zwei Flüssen, durchzogen von einer mächtigen Landwehr, einer Grenze zwischen zwei Orten, zwischen Adel und freien Bauern, zwischen hüben und drüben. Mühlen hüben und drüben. Menschen hüben und drüben. Feste hüben und drüben. Sterben auch. Wege hüben und drüben. Aber keiner führt von hüben nach drüben. Früher soll das anders gewesen sein. Da gab es einen Kirchweg von drüben nach hüben. Da ging man zu Festen hüben und drüben auf kurzem Wege mitten durch das Wäldchen. Heute habe ich den alten Weg gefunden. Die Landweh

11chen

Corona lautlose Gefahr überschreitet alle Grenzen Krone der Schöpfung wankt Machtwechsel AnneGret, 15.4.2020

Abends um 19 Uhr

abends um 19.00 höre ich sie spielen Segenslieder Trostlieder sie stehen am geöffneten Fenster der Trompetenklang wärmt die Häuser und Herzen die es zulassen Ute Sunke , 16.4.2020

Zeitfarben

neue Gedanken gehen helle Träume säen wandelbar zur Ruhe finden der engen Weste einen ersten Knopf frei geben gelb wird gelbes Überall JETZT ist das neue Zeitmaß wagen wagt sich fast stürmisch ins Blühen Ute Sunke am 15.4.2020

Entschleunigung zu Zeiten der Pandemie

Vor zwei Jahren durfte ich nach mehr als vierzig Berufsjahren – guten und nicht so guten Jahren – dank einer Zuwendung meiner Firma mein Berufsleben beenden und ein neues, lange ersehntes, freies Leben beginnen. Ich sprang mit beiden Beinen hinein: Lernen, Studieren, Buch verfassen, Freunde und Freundinnen treffen, ehrenamtliche Aufgaben, Reisen, Sport … Manchmal wehrte sich mein Körper mit Kopf- und Nackenschmerzen, kaputte Gelenke, Schlafprobleme, Erkältungen. Ich hörte kaum auf ihn. Ein Umzug in eine barrierefreie Wohnung wurde notwendig. Und vor einem halben Jahr konnte ich es nicht mehr leugnen: Ich hatte mir viel zu viel aufgebürdet, keine ruhige Minute, Körper, Geist und Seele waren dringend erholungsbedürftig. Was das alles mit Corona zu tun hat? Kommt gleich. Ich versuchte, meine Aktivitäten zu reduzieren. Aber dann musste meine 95jährige Mutter die Wohnung, in der sie dreiunddreißig Jahre gelebt und sich wohl und zu Hause gefühlt hatte, verlassen. Die Suche nach einer neuen

Sehnsucht im Niemandsland

Wir sind doch nunmehr ganz, ja restlos infizieret Des wilden Virus Wut, das hitzige Fieber, Die vom Husten wunde Lunge, die müden Glieder, Hat bald aller Überfluß und Wohlstand aufgezehret Die Straßen menschenleer, das Leben ausgehaucht. Was früher war, das kehrt nicht wieder, Der Mensch verstummt, durch Masken kommen keine Lieder Die Welt steht still, die Zeit ist aufgebraucht Die Strassen, einstmals voll Verkehr, sind nur noch graue Bänder, Führen uns  ins Nichts, in unbekannte Länder Leer sind Säle, Kirchen, Plätze, das Leben scheint uns trist                                                         Doch schweig ich noch von dem / was besser als der Tod /
 Was stärker denn die Angst / und Einsamkeit und Seelennot                                                                Dass wir verweilen und begreifen, was wirklich kostbar ist   Marius Schmieda , 15.4.2020 Dieses Gedicht ist inspiriert von Andreas Gryphius' Tränen des Vaterlandes / Anno 1636

Schreib-Gespräch Grenzen

Mit folgendem Zitat von G. Tsakalidis, eröffne ich das Format Schreib-Gespräche "Grenzen sind nichts Natürliches" Georgios Tsakalidis , Integrationsrat der Stadt Münster Was geht dir durch den Sinn in der ersten Begegnung mit dieser Aussage? Was stellt sich dann ein? Vielleicht begleiten dich diese Worte eine Weile in deinem Alltag. Je nachdem, mit welcher Brille du schaust, in welchem Kontext du dich bewegst, werden andere Aspekte auftauchen. Gebe ihnen Raum in deinem Schreiben und teile deinen Textversuch mit anderen hier. Ja, ein Versuch, ich liebe dieses Wort, weil es so viel Raum lässt und versuchen könnte man es ja einmal mit dem einen oder anderen Aspekt zum Thema. Im gemeinsamen Zusammentragen liegt Vielfalt und möglicherweise sogar Erkenntnis. Bitte nutze für deinen Beitrag zu diesem Thema die Kommentarfunktion auf dieser Seite.

Chorleben nach Corona

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Elfriede Lenzen , 14.4.2020 Und seht euch dazu dieses You-Tube-Video an: Küssen verboten   mit dem Phemios Kammerchor

Exponentialschokolade

Mein erster Kettenbrief erreichte mich, damals noch von ordentlicher Kinderhand geschrieben und ebenso vervielfältigt, in der dritten Klasse. Ich solle an die erste der vier aufgelisteten Adressen eine Tafel Schokolade schicken, dann den Brief achtmal abschreiben und dabei die erste Adresse weglassen, dafür aber meine eigene Adresse ans untere Ende der Liste setzen. Den Brief solle ich binnen einer Woche an acht Kinder weiterschicken. Schon bald, so versprach es der Brief, würde ich mein blaues Wunder erleben: Unzählige Tafeln Schokolade würden mir zugesandt... Ich stellte mir den überquellenden Briefkasten vor. Auf dem Absatz davor würden sich Päckchen häufen, alle an mich adressiert, alle mit einer Tafel Schokolade von lauter Menschen, die ich gar nicht kannte - wie aufregend! Mit roten Ohren schrieb ich den Kettenbrief ab und verteilte ihn weisungsgemäß weiter. Dann wartete ich. Der Gedanke an das, was käme, ließ mein Herz schneller schlagen. Allerdings passierte nicht viel. Irgendw

Corona und Zimtschnecken

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Eigentlich wollten wir eine Ostseerundreise machen. Meine Mutter und ich. Endlich. Nach entbehrungsreichen Jahren für meine Mutter. Nach Pflege und gebunden sein. Immer alles gegeben und das Beste daraus gemacht. Mein Stiefvater, unser Opa, wie er liebevoll von uns genannt wurde, wusste, was er an ihr hatte. „Mein Schatz“ sagte er immer anerkennend zu ihr. Schon einen Monat vor Abreise begann meine Mutter mit dem Koffer packen. Für mich war das noch weit entfernt. Ich war meistens kurz vor knapp. Viel zu sehr in meinem vielfältigen Berufsalltag eingespannt. Alles kommt, wenn es dran ist. Nur die Planung. Die stand schon perfekt. An meinem Geburtstag würden wir in Stockholm sein. Meine Freundin Christina treffen. Zusammen Zimtschnecken essen und Kaffee trinken. Wir hatten nur noch offengelassen, wo wir uns treffen würden. Es würde schön werden. Corona war schon unterwegs. Corona. Nein, nicht meine Freundin aus Bayern, die ebenso hieß (die Arme). Corona, das bedeutete unsichtbare, unbe

Rotglühend

Rotglühend wird morgen die Sonne aufgehen Wir Menschen sind nur Staffage Romina Schreiber am 14. 4.2020

Vom Fadenlauf

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Fäden ziehen, auf Kante nähen, Foto: Cordelia Balzer-Ickert Eine Zeit der Gefährdung. Stillstand oder etwas tun? Bin ich ein Kaninchen, das sich duckt, wenn Gefahr droht? Ich möchte gern etwas beitragen, aktiv bleiben. Doch tauge ich weder zu Heldentum noch verfüge ich über besondere Fertigkeiten. So kann ich mich nur denen anschließen, die sich gemeinsam für Entlastung einsetzen. Nach der Durchsicht verschiedener Anleitungen und entsprechender Nähversuche habe ich mich entschieden und brauche nun: Baumwollstoffe: Einen bunten als Ober-, ein weißes Bettlaken als Unterstoff   Melitta-Filter Größe 4 Pfeifenreiniger als Versteifung um die Nase herum   T-Shirtstoff in Streifen, Schrägband oder Gummilitze   Sicherheits-, Häkel- oder lange Teppichnadel zum Durchziehen des Bandes   Schneiderschere   Nähmaschine und Bügeleisen Die Sammlerinnen werden es genießen: endlich einmal in alten Vorräten zu wühlen, Erinnerungen aufzufrischen, die alten Stoffe durch die Finger

grob fahrlässig

lieber Planet wie lange ringst du schon nach Luft hast du die Menschen angesteckt? Ute Sunke am 24.4.2020

Das Decamerone-Projekt

Das Decameron ist eine Sammlung von 100 Novellen aus dem 14. Jahrhundert. Die Rahmenhandlung: Ein Landhaus in den Hügeln von Florenz. Dorthin flüchten 10 Menschen, 7 Frauen (!) und 3 Männer, vor der Pest. Im Landhaus unterhalten die Pest-Flüchtlinge sich, indem sie sich Geschichten erzählen. Jeden Tag wird eine Königin oder ein König bestimmt, welche(r) einen Themenkreis vorgibt. Zu diesem Themenkreis denkt sich jede(r) der Anwesenden eine Geschichte aus. Nach 10 Tagen und 10 mal 10 Novellen kehrt die Gruppe wieder nach Florenz zurück. Mehr dazu in Wikipedia . Die Wochenzeitschrift DIE ZEIT hat dieses Konzept für ihr aktuelles Decamerone-Projekt aufgegriffen und 10 zeitgenössische Autor_innen eingeladen. Beginnend mit der Ausgabe 14/2020 vom 26. März wird hier wöchentlich eine Geschichte veröffentlicht. Die Themen dieser Geschichten kreisen um "die großen Dinge des Lebens", um Liebe und Tod, Freundschaft und Macht, Verrat, Sorge und Wahrheit und mehr. Wir dürf

Ostern 2020

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Steinsamen und Nelken, Hildegard Jöris am 13.4.2020

Die Krone der Schöpfung?

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Corona - Die Krone, der Schöpfung (?) darf endlich ATMEN in himmlischer Ruhe Petra Ehrenberg , 12.4.2020

Mit dem Stift malen

  Sitzen wir nicht alle im Moment wie auf einer Art Zuschauerbank und betrachten mit mehr oder weniger Abstand das Geschehen, das wir noch gar nicht wirklich begreifen? Wie sieht die Corona-Welt aus deiner Perspektive aus? Wie nimmst du sie wahr? Wähle einen Ort deines Alltags als Beobachtungspunkt. Das kann dein Küchenfenster sein oder der Balkon, der Sessel vor dem Fernseher, die Bank im Park, der Supermarkt und Vieles mehr. Öffne ganz bewusst deine Sinne und notiere deine Eindrücke. In einem zweiten Bearbeitungsdurchgang streiche alle unnötigen Wörter. Vermeide Bewertungen, das hält den Resonanzraum offen.    Elisabeth Klempnauer am 12. April 2020

Alles kann ein Gedicht werden

ja, wirklich alles! Falls du es nicht glaubst, höre dir zunächst dieses Interview mit dem Dichter Jan Wagner an. Wähle dann irgendetwas aus deiner Umgebung, und sei es noch so banal, als Schreibanlass und versuche es einfach. Oder vielleicht hast du ja Lust, zu einem Detail auf dem Foto oben zu schreiben? Ob mit oder ohne Reim, frei oder formgebunden, es wird sich ergeben und alles ist wunderbar. Ja alles!   Elisabeth Klempnauer am 12. April 2020  

Antworten finden

Fragen Der Münsteraner Aktionskünstler Stephan Us richtet in seiner Aktion "Pssssst!" folgende Fragen an die Gesellschaft: Wie geht es Dir in dieser neuen Situation?  Was macht diese Abwesenheit?  Wie nimmst Du diese neuen stillen Räume wahr?  Wie sehen sie aus?  Was fühlst Du dabei?   Vielleicht reizt dich eine dieser Fragen zu einer Antwort. Vielleicht hast du auch Lust, eigene Fragen zu (er)finden und diese aufzuschreiben, so wie es Christiane Kretzschmar in ihrem Blogbeitrag gemacht hat.   Elisabeth Klempnauer am 11. April 2020  

Frohe Ostern!

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Frohe Ostern!

Osterlos

Der Osterhase spricht: Ostern gibt’s jetzt leider nicht!   Liebe Leut`, ihr müsst noch warten,   warum, das dürft ihr 3x raten.   Der Virus hat´s zur Zeit verbockt,   der hat uns alle ausgeknockt.   Darum ist jetzt nichts zu machen:   - Nicht mutlos sein und trotzdem lachen!-   Das ist mein Rat: Bleibt schön zu Haus,   dann sieht die Welt bald besser aus. Christa Borowski-Schmitt , April 2020

Ostersamstag unterwegs

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Alles wie sonst auf meinen Wegen durch den Wald. Ich will zu dem Platz unter den Buchen, dort bin ich schon öfters gewesen, zu jeder Jahreszeit. Es knistert und raschelt unter den Schuhen. Das kommt von den vielen Bucheckern und dem alten Laub. Alles zusammen ergibt einen weichen Teppich für mich. Die vielen Vogelstimmen kann ich nicht alle ihren Besitzern zuordnen. Das laute "Tock-Tock-Tock" ist zweifelsfrei von einem Specht. Leider kann ich nicht ganz den Autolärm ausblenden. So viel wie "früher" ist es aber nicht. Ich bin da. Suche mir einen Platz unter einer der Buchen auf der kleinen Anhöhe. Bin wählerisch. Brauche einen guten Halt für meinen Rücken und einen weichen Platz für den Hintern. Eine kleine Iso-Matte habe ich im Rucksack. Ganz so bequem wie auf einer Bank oder einem Stuhl ist es nicht, so auf dem Boden zu sitzen, aber nun sitze ich einfach nur da, an den breiten, bemoosten Stamm angelehnt. Das Gesicht der Sonne zugewandt, genieße ich die Wär

Das Geläut der Glocke

Sie rufen mich, sie ziehen mich, sie laden ein. Sie gehören zu meinem Leben dazu. Ich fühle mich geborgen in ihrem Klang, ich fühle mich getragen von ihrer Eindeutigkeit. Nun keine Gottesdienste, vom Trinken aus einem Becher ganz abgesehen. Die Glocken schweigen. Oder höre ich sie nur nicht mehr? Bin ich taub geworden? Bis Ostern sollen sie läuten, jeden Abend. Ich stelle meinen Wecker, trete hinaus ins Freie, richte mein Ohr. In der Ferne ihr Getön. Ich stammle Gedanken,  bete? Im Klang der Glocken leben, von ihnen durchdrungen werden. Fehlt das Ritual des Kirchgangs,  kommen sie nicht mehr auf mich zu. Ich muss ihnen – zu ungewohnter Abendzeit –  entgegengehen. Dann ergreifen sie mich. Cordelia Balzer-Ickert , 9.4.2020