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Normalzeit

Es war einmal eine Zeit, die alle als Normalzeit bezeichneten. Gemeint ist die Zeit, bevor das Coronavirus über uns kam. Es wurde gefeiert, getanzt, gelacht. Kinder tummelten sich auf Sport- und Spielplätzen. Während den Pausen hörte man ihr Lärmen auf dem Schulhof. Erwachsene verbrachten Wochenenden in Diskotheken, auf Schützenfesten, bei Sportevents, überall da, wo es was zu feiern gab. Die freie Zeit war gefüllt mit Vergnüglichem. Corona, Corona, du hast unsere Normalzeit zerstört!

Es wird besser. Das Coronavirus ist unter Kontrolle. Die Normalzeit ist nicht mehr fern.
Halt, Stopp! Corona, Corona, du bist zurück und die Normalzeit ist wieder weit weg.

Was ist eigentlich normal? Wenn wir Zeit so akzeptieren, wie sie ist, ist die Corona Zeit eine Normalzeit.
Unser Leben hat sich verändert. Maske tragen ist nicht schlimm. Wir haben uns daran gewöhnt. Abstand halten ist üblich. Wir vergessen es nur noch selten.Jede Zeit, ist immer eine Zeit, in der wir leben. Heute leben wir in der Coro…

Weltbrand

Rauch über meinem Tisch
Aus Moria
Familie weg
Zelt weg
Frau rennt
Welt brenntRußan meinem Himmel
Aus Kalifornien
Sonne verhangen
Menschen bangen
Präsident pennt
Wald brenntRauch an meinem Weg
Aus einem Mülleimer
Gummi stinkt
Flamme winkt
Schlund zerfetzt
Tief verletzt
Welt im EimerNebel über meinem Morgen
Nun insWassermit den Sorgen
Zug um Zug
Nie genug
Und es zischt
Brand erlischt
WeltErfrischt
Neuer Tag
Will
Kommen(Gundula 9/2020)

Weglassen oder Bleiben?

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Was man alles weglassen kann:
Zeitung zum Frühstück
Milch im Kaffee
Sahne zum Kuchen
Wein zum Essen
Chips zum Bier
Schokolade beim Fernsehen
Was bleiben muss:
Kaffee zum Frühstück
Nachrichten im Fernsehen
Bücher zum Lesen
Freunde treffen
Spielende Kinder
Haustiere

Was man alles weglassen kann:
Waffen
Kriege
Krankheiten
Unwetter
Unfälle
Verbrechen
Was bleiben muss:
Träume
Liebe
Freundschaft
Feuerwehr
Polizei
Ärzte

Maria Eifrig, September 2020




Alle Knochen wissen es zu erzählen

Nun will der Herbst sein Regiment einführenEs ist zwar kühler, aber drückendDer Regen kann nicht wie er sollteAber alle Knochen wissen es zu erzählen,Dass es Änderungen geben wird.Ich kann ein Lied davon singen.Briefzeilen einer 100-Jährigen

Heimkehren

Eine Geschichte zum Schreibimpuls "Man kann heimkehren, wenn man denn begreift, dass ‚heim‘ ein Ort ist, an dem man noch nie war" (Zitat von Ursula K. Le Guin)*** 
Sie ist auf der Flucht, bleibt nie lange an einem Ort. Hat keine Freunde, keine Verwandten, ist ganz allein.
Schon manchem Baum hat sie ihre Geschichte erzählt. Bäume sind verdammt gute Zuhörer - unterbrechen nicht, kritisieren nicht, hören zu, mehr nicht.

Sie ist zufrieden, hat einen gut bezahlten Job, arbeitet gern, oft 10 bis 12 Stunden am Tag. Sie ist bei ihren Kunden beliebt, viel unterwegs. Leider hat sie wenig Freizeit, aber das macht ihr nichts aus. Ihr Freund arbeitet genauso viel.
"Wir sind glücklich!"

Dann lernt sie es kennen, das Covid-19.
"Verdammt, verdammt - ich hasse dich."
Erst stirbt ihr Freund, dann die Eltern.
"Covid-19, ich hasse dich."
Alle drei haben Wochen lang mit dem Tod gekämpft. Er hat gewonnen. Was für ein Verlust.
Wegen der Coronaregeln für Krankenhäuser durfte…

Es ist, wie es ist!

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Corona, Corona,
Du bist wieder da.
Du wolltest uns verlassen,
Wurdest schwächer.
Es wurde gelockert.
Endlich!
Feiern, feiern,
Viel zu eng, na und?
Urlaub, Urlaub,
Weit weg, na und?
Die Unvernunft siegt.
Schade!
Du kommst zurück.
Wirst wieder stark.
Schaffen wir es nochmal?
Was soll ich sagen?
Es ist, wie es ist!

Maria Eifrig, August 2020

Ein Foto, zu dem man schreiben könnte

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Es war einmal ein großes rotes Lastauto mit der Aufschrift: "Wir bewegen, was Sie bewegt"...
Elisabeth Klempnauer

Believe (in) us

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Ich glaube an Menschen,
dachte ich früher,
heute nicht mehr,
sie sind böse,
lügen und betrügen,
zerstören unsere Welt
für Geld, nur für Geld.

Ich glaube an Menschen,
manchmal,
sie helfen einander,
arbeiten ehrenamtlich,
kümmern sich
um Schwache und Kranke,
helfen in der Not,
sammeln Geld, tun Gutes.

Ich glaube an mich,
nicht immer,
zweifel oft an mir,
gebe andern die Schuld,
manche wollen helfen,
ich kämpfe lieber allein,
such neue Wege,
finde sie,
bin zufrieden,
ich glaube an mich.

Maria Eifrig, Juli 2020

Läusekampf

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Mein Garten, der Läusekampf "Was für eine Katastrophe."
Ich bin fassungslos.
"Was ist passiert?"
Der Römersalat, die Paprikapflanze, die Radieschen, ihre Blätter sind ruiniert. Täglich wird's schlimmer. Dann sehe ich sie, kleine schwarze Punkte, Blattläuse! Sie haben meine Plantage überfallen. Sie sitzen auf allem, was grün ist. Ich bin den Tränen nahe und habe nur einen Wunsch "weg von hier". Eine Runde mit meinem Rollstuhl, den Kopf frei bekommen, den Frust abbauen. Es fällt mir schwer. Ich verbrachte viel Zeit in meinem Garten, hatte eine Menge Arbeit und Spaß und jetzt das.
Erst abends im Bett werde ich ruhiger. Im Internet informiere ich mich, wie ich die unerwünschten Gäste los werden kann. Ich entscheide mich für eine Wasser-Spülmittel-Lösung zum Töten der Schmarotzer und zum Abschrecken Lavendel, Bohnenkraut, Salbei und Rosmarin, verteilt zwischen den Pflanzen.
Der Kampf beginnt.
 Was für ein Nervenkrieg. Ich sprühe und sprühe und sehe keinen Erf…

Jeder Tag...

Jeder Tag ist sehr sehr selten
so lautet ein Lieblingssatz von Hans Jochim Gelberg
Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen, nah und fern, einen selten schönen Tag!
Hans Joachim Gelberg, Autor und Verleger, ist in diesem Mai mit knapp 90 Jahren gestorben. Ich liebe seine Anthologien, vor allem Wo kommen die Worte her?


Schreibimpuls 'heimkehren'

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Vor einer Woche erlebte ich im Garten von Schloss Senden eine außergewöhnliche Dichterlesung. Die derzeitige Regionenschreiberin des Münsterlandes, Charlotte Krafft, las aus ihren "Momumenta"*. Das ist kein Schreibfehler. Es heißt tatsächlich so und ist eine Wortschöpfung aus Monument und Moment, so die Autorin. Die Betonung liegt auf dem Prozess, Monument/Denkmal als denk mal!

Charlotte Kraffts"Momument I" beginnt mit dem Zitat von Ursula K. Le Guin:

Man kann heimkehren, wenn man denn begreift,
dass ‚heim‘ ein Ort ist, an dem man noch nie war

Dieses Zitat ist gleichzeitig mein heutiger Impuls: mit oder ohne Stift in der Hand, zu Hause oder unterwegs, diesen Worten nachzuspüren...Ich wünsche dir/euch erhellende Momente!Elisabeth am 28. Juni 2020
*Die "Momumenta" von Charlotte Krafft sind im Kontext des Projektes "stadt - land - text nrw 2020" entstanden.
Herzlichen …

Luftdurst

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Ich wusste gar nicht, wie doll ich atmen will. Oder muss. Wie doll ich, wie doll ein Mensch atmen muss! Die Maske saugt sich an den Nasenlöchern fest. Ich trete in die Pedalen und fahre bergauf. Da kommt nicht genug Luft durch den hübschen Stoff mit dem Notendesign. Habe ich geschenkt bekommen, weil ich Musikerin bin; habe mich sehr gefreut, wirklich. Ist der denn dreifach genäht? Kann sein. Meine Nase saugt und zieht: Luft, mehr Luft! Es geht nicht. Ich steige ab. Das Fahrrad zieht mich zurück, die Einkaufstaschen sind so schwer. Aber das Ding muss ab. Ich fummele nach den Ösen hinter den Ohren, die Sonnenbrille kommt auch gleich mit. Der Riemen des Helms sorgt dafür, dass nichts runterfällt. Gut, dass ich Helm trage. Aber was nützt es, den Kopf beim Sturz zu schützen, die Augen vor der Sonne und die Leute vor meinen Gesichtsemissionen? Nun baumelt alles am Kinn, irgendwie verhakt in der Schnalle. Ich habe solche Lust auf Luft! Trinken möchte ich sie! Oh, wie freut sich mein schwitze…

CORONA 4

Nicht müde werden…

sondern dem Wunder,
leise,
wie einem Vogel,
die Hand hinhalten.

Hilde Domin

Ich sehe viele kleine Wunder,
erlebe viele kleine Glücksmomente,
am Wegesrand
meines Lebens,
fühle in mir,
in Körper, Geist und Seele,
die Kostbarkeit des Lebens,
ein großartiges Geschenk.

So sollte es sein,
für jeden von uns.
So wird es auch sein,
für viele von uns.

So ist es nicht,
für manche von uns,
die von Armut, Krankheit,
Ausweglosigkeit,
begleitet werden,
zu müde, zu abgestumpft,
zu hasserfüllt,
um aufzustehen
und zu leben.

COVID 19 ist dort zu finden,
wo zu viel Enge ist,
zu viel Armut,
zu wenig Lebensraum,
zu wenig Perspektiven,
zu wenig von zu vielem.


Nicht müde werden,
und dem Wunder,
leise,
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Hilde Domin


Ich bin nicht zu müde,
um an Wunder zu glauben…

Ulla Granseuer am 25.6.2020

Mein Garten, meine Wohlfühloase

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Ein Gestell aus Tischböcken und Brettern, vollgestellt mit Blumenkästen, runde, längliche, große und kleine, das ist er, mein Garten. Seit Jahren habe ich ihn mir gewünscht. Jetzt ist er Wirklichkeit. Früher hatte ich einen "richtigen" Garten, eine Fläche von ca. 20 qm. Einen Garten, wo man sich bücken musste um in Erde zu wühlen. Ich liebte es, wenn die Hände in die Erde tauchten und die Finger die Erdklumpen zerdrückten. Es fällt mir schwer dieses Gefühl zu beschreiben. Erde schenkt uns Leben. Pflanzen durchbrechen zaghaft die Erdoberfläche, werden größer und kräftiger. Würmer graben sie um, sorgen für luftigen, lockeren Boden. Du bist Acker-, Mutterboden, enthältst organische Substanzen und bist als Erdreich unser Lebensraum, Erde ein Planet in unserem Sonnensystem.
Dann zog sie bei mir ein, erlaubte mir nicht meinen "richtigen" Garten weiter zu bearbeiten. Ich musste zusehen, wie er immer mehr vergammelte. Schließlich wurde die Erde planiert und mit Platten bele…

Schreibimpuls: Woran glaubst du?

Das diesjährige Droste-Festival widmet sich dem Thema GLAUBEN und trägt den Titel:  
Believe (in) us
5 Lesebürger*innen haben in einem interaktiven Schreibprozess zusammengetragen, woran sie glauben. So ist dieses INTRO entstanden. Und das war erst der Anfang... Das Thema hat uns gepackt...

Meine Anregung heute für dich/für euch:

Erstelle ein eigenes Glaubensbekenntnis in Form eine Liste mit dem wiederholenden Zeilenanfang "Ich glaube an..."
Ob allein oder im kreativen Prozess mit anderen, bei einem Spaziergang, im Gottesdienst, am Familientisch, im Homeoffice..., nimm die Anregung ein wenig mit in deinen Alltag.
Es ist eine Gelegenheit für mehr Bewusstheit und für anregende Gespräche.

Elisabeth am 21. Juni 2020

Zwanzigzwanzig

Euch umarmen
Noch nicht
Chorsingen
Noch nicht
Fahren wohin ich will
Noch nicht
Ins Konzert
Noch nicht
Endlich wieder auf die Bühne
Noch nicht
Echtes Publikum
Noch nicht
Schwimmen in der Halle
Noch nicht
Ich zu dir
Noch nicht
Er hatte es schon ich
Noch nicht
Ich weiß
Noch nicht
Wir alle wissen alles
Noch nicht
Sag mal ganz oft
Noch nicht
Noch nicht noch nicht noch nicht
Nochnichtnochnichtnochnicht
Zwanzigzwanzig ist nämlich
Das Nochnichtjahr
Und es ist
Noch nicht
Zu Ende
Noch nicht

Gundula Buitkamp am 21. Juni 2020







Sandalen kaufen

Auf der Straße tummeln sich schon wieder viele Menschen. Sie essen Eis und drängen sich auf den Bürgersteigen. Ihre Unbefangenheit wundert mich. Das ist ja fast wie früher …
Ich betrete das Kaufhaus, greife mir einen Plastikkorb und gerate in eine völlig andere Welt. Leere Rolltreppen rauschen von einem Geschoss ins andere. Niemand fährt mit. Außer mir. Das ist nicht normal. Mein Gesicht macht es sich gemütlich im Mundschutz. Warum macht der mich eigentlich so schläfrig? So hoch ziehe ich sonst nur meine Bettdecke, bevor ich die Augen zumache. Ich stehe dösend auf der Rolltreppe. Die letzte Stufe verschwindet unter mir im Boden und wirft mich unsanft ab. Ich brauche Trekkingsandalen. Aber es gibt nur genau ein Modell Herrensandalen ab Größe 42, das war´s. Ich würde sie ja nehmen, wenn ich Füße hätte wie ein Herr. Zu gerne würde ich diesen klinisch toten Laden unterstützen. Ungläubig schleiche ich um das Regal herum. Es kann doch nicht sein, dass ich in der Outdoor-Abteilung des größten…

Johannimarkt

Jeder
m/w/d
hat einen anderen Vater.
Mein Vater liebte den Mittsommertag.
Dort wo er zuhause war,
nennt  man diesen Tag Johannistag.
Bunte Händler kommen,
schon zweihundert Jahre und mehr,
in den sonnigen Ort an der Schweizer Grenze.
Wieder-Begegnungen und Fröhlichkeit
gibt es zu den angebotenen Waren.
Einmal war auch ich dort,
an so einem Tag.
Ich besuchte das Leben meines Vaters.
Es hat mir gefallen.
Immer am Johannistag leuchtet es mir nach.
Seine Seele reicht jetzt bis in den Norden.

Anita Oefinger, 19.6.2020

Ganz von der Rolle

Nachdem Pastor Orans in mindestens zehn Lebensmittelläden und Drogerien seiner Stadt vergeblich nach Klopapier gefragt hatte, gönnte er sich eine Verschnaufpause in der christlichen Buchhandlung, wo sein Freund Legens sofort sein Buch aus der Hand legte und ihm einen Cappuccino zubereitete. Legens sah Orans an, dass ihm etwas fehlte. Deshalb fragte er ihn: „Na, was fehlt dir denn?“
„Klopapier fehlt mir“, sagte Orans. „Bald gehen die Gottesdienste wieder los, unsere liebe Frau Purgans ist in Quarantäne und kann sich um nichts kümmern, und auf den Gemeindehaustoiletten sind nur noch drei Rollen. Ich muss irgendwo Klopapier auftreiben.“
Orans seufzte, doch in Legens´ Augen funkelte es.
„Du kommst wie gerufen! Ich war kreativ während der Schließzeit. Pass mal auf, ich zeige dir meine verrückte Idee. Das hier habe ich erfunden und drucken lassen.“
Er griff schnell unter seinen Tresen und stellte eine Rolle Klopapier vor Orans ab. „Was sagst du dazu?“
„Naja, das ist Klopapier – aber nur eine Rol…

CORONA 3

Flucht in Traumwelten,
in vergangene Zeiten,
Sehnsucht,
unendliche Sehnsucht…

In Büchern eintauchen,
in Erzählungen,
in Bildern versinken,
Phantasie, Erinnerungen und Wirklichkeit
werden eins.

Eine Auszeit,
aufgezwungen,
abgelehnt,
zögernd angenommen.
Zur rechten Zeit
Muße, Ruhe und Stille,
Freundlichkeit und Freude,
Zeit zur Besinnung.
Aus meinem Reichtum schöpfen,
mich erinnern und verschenken…

Und doch…

Angst und Sorge bleiben,
wann kommt die zweite Welle,
Tsunami oder sanft verlaufend?

Sorglosigkeit,
Leichtfertigkeit nehmen zu,
Dummheit der Politiker,
Drohungen und Wadenbeißen,
Ablehnung der Maßnahmen,
in Fragestellung der Vorschriften,
Verneinung der Pandemie,
Verschwörungstheorien,
Demonstrationen,
Kriminalität,
fehlende Menschlichkeit,
Ausbeutung,
stehen in großen Lettern vor uns,
sind die Balken in unserem Auge.

Durch Raum und Zeit,
über alle Entfernungen hinweg…
meine Kerzen brennen,
meine guten Wünsche sind
auf dem Weg …

Der Frühling lacht dem Sommer entgegen,
heißt ihn willkommen.
Ich umarme das Leben in tiefer Freu…

CORONA 2

Nein,
keine Krone,
keine Krönung,
kein Märchenkönig,
kein Erlkönig,
kein Prinz Eisenherz,
keine Himmelskönigin,
keine Schneekönigin,
keine Eisprinzessin,
keine Königin der Nacht.

Nein,
keine Krone,
für nichts und niemand.
Es wird nichts beschönigt,
nicht drumherum geredet,
nennen wir „es“ beim Namen:
COVID 19.

COVID 19
lähmt,
legt still,
schickt Krankheit und Tod,
hält uns den Spiegel vor,
schafft Parallelwelten
für mich,
für andere?

Dieser wunderbare Frühling,
die Fürsorge und Nächstenliebe,
das Miteinander und Füreinander,
Singen und Musizieren
in Höfen und auf Balkonen,
Beifallklatschen für Berufsgruppen,
die Achtung und Respekt,
auch monetär,
schon längst verdient haben
und voller Ironie und Abwehr,
erschöpft und müde,
abwinken…

Staatliche unkomplizierte Hilfe,
der Ideenreichtum im Netz,
nicht nur aufmunternd,
musikalisch, kirchlich,
fürsorglich,
auch betrügerisch,
ausnutzend, menschenverachtend.
Parallelwelten…

Kriminelle Energien erwachen
und kriechen aus dem Dunkel ans Tageslicht.
Welches Ausmaß werden sie annehmen,
wer set…

Schreibimpuls: Was man alles weglassen kann...

Heute begegnete mir ein Gedicht, das mit den Zeilen beginnt:
was man alles weglassen kann...
Diese Inspiration von Jutta Piehler möchte ich hier gerne aufgreifen und dazu einladen, ein eigenes Gedicht zu schreiben. Hierzu eignet sich vorzüglich die Listenform.
Einfach ein Blatt zur Hand nehmen und notieren:
was man alles weglassen kann: ... ... ...
usw.

und dann eine Liste anschließen von all dem,

was bleiben muss: ...
... ... usw.
Zum Schluss, wenn es sich ergibt, ein oder zwei Zeilen für ein Fazit.
Und wie immer, bist du herzlich eingeladen, deine Liste hier mit anderen zu teilen.
Elisabeth am 11. Juni 2020

Aus dem Tagebuch eines Geheimsängers

8. Juni 2035
21:00 Uhr: Mal wieder Glück gehabt, die Jäger haben uns nicht festnehmen können. Unser Fluchtweg über die versteckte Außentreppe des Kellerraums und durch die Zaunlücken im Park war unsere Rettung. Außerhalb des Zauns verteilten wir uns in den umliegenden Wohnstraßen und gaben uns den Anschein harmloser Spaziergänger oder von der Arbeit heimkehrender Familienväter und -mütter. Allerdings müssen wir uns nun endgültig ein neues Probenversteck suchen – noch einmal wird das SJK (Sänger-Jäger-Kommando) sich nicht an der Nase herum führen lassen.
Für unsere älteren Mitsänger*Innen wird es auch langsam zu gefährlich. Die ständige Anspannung und spontane Fluchtbereitschaft zehrt an den Nerven und lässt die Singstunde für manch einen zur Qual werden.
Wir jungen Sänger*Innen machen uns eher einen Sport daraus, das SJK zu verwirren und wir finden auch immer wieder neue Locations für unsere verbotenen Proben. Aber ohne unsere „Alten“, die uns immer wieder von der Zeit erzählen, bevor di…

Schreibimpuls: Bilder aus der Natur und die Kraft des Dreizeilers

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Schreibimpuls:
Wähle eines dieser Fotos aus und notiere dazu, was dir in den Sinn kommt. Fasse danach deine Gedanken in 3 Zeilen, so knapp wie möglich, um die Essenz herauszuschälen. Gib deinem Dreizeiler eine Überschrift. Und last but not least: teile deinen Dreizeiler gerne hier in diesem Blog.
Elisabeth am 6. Juni 2020




Frohe Pfingsten!

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Frohe Pfingsten!

... dem Wunder leise die Hand hinhalten

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... dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten

Hilde Domin
aus dem Gedicht "Wahl"







Das folgende Foto hat Ulla Granseuer beigetragen



Poetische Momente

Es ist die Zeit nun, daß im Wald der Nachtigallen Lied erschallt, folglich die Zeit, wo man am wenigsten der mindestens geistigen Nähe werther Personen entbehren kann. … Wüßten Sie, wie schön es jetzt so recht draußen ist (nicht vor ihrem Mauritz-Thore, wo die halbe Stadt promenirt, allen Staub lebendig und alle Vögel stumm macht), sondern hier, so recht auf dem Lande, wie voll Frieden und Sonnenschein, Lerchenwirbel und Nachtigallengesang. … 
Zwar fehlen dem Jahr noch die Früchte frisch vom Strauch gepflückt, die vollständige Belaubung und der fast berauschende Duft, mit dem späterhin Rosen und Syringen, Gewürzstrauch und Reseda die Luft füllen werden, aber doch verbreitet das junge Laub einen höchst lieblichen Geruch. … 
Ich saß auf der Bank am Hause, ließ mir von den Nachtigallen vorsingen, von der Luft zuwehen und war ganz und gar Sybaritisch* gestimmt. 
Warum ist man wohl so ungeneigt zu poetischen Arbeiten in so höchst poetischen Momenten? Ich denke wohl, weil der Genuß den regelre…

Die heilige Zitronenrolle

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Nie hätte ich gedacht, dass dieses Kuchenstück einmal zum Highlight des Tages mutieren könnte. Es ist sozusagen die Belohnung dafür, dass ich etwas Anstrengendes hinter mich gebracht habe. Aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen ist für mich schon ein Spaziergang im Park, ein Zoobesuch oder längeres Laufen anstrengend. Dabei kann ich meinen Rollator jetzt in Corona Zeiten aufgrund der Abstandsregelung nicht unbedacht an Menschen vorbeischieben, sondern muss dabei immer im Blick haben, dass ich ihnen nicht zu nahekomme. Sowohl die körperliche wie auch die psychische Anstrengung kostet mich doppelte Kraft. Da kommt meine Zitronenrolle ins Spiel:

Wenn ich nach einem Ausflug zuhause wieder erschöpft in den Sessel oder auf einen Stuhl sinke, ist mein erster Griff zum Kuchenteller. Es mag albern erscheinen, aber vor meinem Weggang stelle ich zurzeit einen Teller mit einem abgeschnittenen Stück der tiefgefrorenen Zitronenrolle zum Auftauen auf einen Tisch in Reichweite.

So geht das schon …

fahrzeit

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ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
quer durch's blaukreuzwäldchen
dauert es ein weilchen.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
die sonne brennt auf'm rücken
das virus verjagt mücken.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
gelenkt durch bunte pfeile
geht's durch die einkaufsmeile.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
meine maske ist zu haus
deshalb fällt einkaufen aus.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
cafés, restaurants sind zu
kein ort für ein rendezvous.

ich fahre und fahre
und weiß jetzt wohin
ich fahre heim
weg von dem keim.

ich fahre und fahre
und weiß jetzt wohin
sammel berge von energie
für's leben nach der pandemie.

Maria Eifrig, Mai 2020

Videosprechstunde

Therapeut:  Hallo?
Patient:      ...  ...  ...
T:    Hallo? ...  Sind Sie da?
P:    Oh, hallo! … Können Sie mich sehen?
T:    Ja. Sie sind etwas verpixelt, aber ich kann Sie sehen.
P:    Okay. Ich dachte schon, ich hätte beim Einwählen was falsch gemacht.
T:    Nein, alles gut. Es ist ja auch gerade erst halb sieben. Pünktlich also.
P:    Na, man weiß ja nicht...diese Technik ist ja für mich neu.
T:    Hat doch alles gut geklappt...
P:    Ja...
T:    Wie geht’s Ihnen heute?
P:    Hmm...ach... ich weiß nicht.
T:    ...???...
P:    Ist gerade ein bisschen ungewohnt... diese Situation.
T:    Das verstehe ich.
P:    ...
T:    Wir hatten ja gesagt, wir probieren es einfach mal aus.
P:    Okay...
T:    Haben Sie das mit den Aerosolen gehört letzte Tage?
P:    Äh... dass der Virus durch die Atemluft...   / /   T:   Trotz Maske kann der...
P:    ....
T:    ....
P:    Kann es sein, dass wir eine Zeitverzögerung drin haben?
T:    Hmm... ein bisschen vielleicht.
P:    ...  ... ...
T:    Was haben Sie denn für eine Lei…

Schlendern, einfach nur schlendern

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Ich staune immer wieder, wieviele mir bisher unbekannte Wege es in der nahen Umgebung gibt. Und was es da alles zu entdecken gibt. Gestern zum Beispiel begegneten mir Kornblumen mit ungewöhlicher Färbung, verdrehte Kirschbäume und "Worte am Fluss".Während ich noch über die Farbe der Kornblumen und die Drehung der Kirschbaumstämme rätselte, hörte ich in die "Worte am Fluss" hinein:
"Schlendern" an der Berkel

Und so erging es mir wie der Droste, die so schön staunte:

„... was man nicht alles bemerkt auf einer Tagfahrt zwischen Wallhecken, 
den Himmel über, die Pfütze unter sich“.

Elisabeth am 21.5.2020 

siehe auch: Schlendern von K. Wecker (Text)
siehe auch: Schlendern von K. Wecker (Lied)

Fundstücke von Leserinnen dieses Blogs:

Zweisamkeit in Waldeinsamkeit (Bild zum Vergrößern anklicken) Hildegard am 9.6.2020




Unsichtbar

U  nscheinbar kommt über
N  acht
S  chleichend und
I   nfam das
C  oronavirus aus dem
H  interhalt
T  age der
B  etroffenheit bewirken
A  bstandhalten bis das
R  isiko in der Sommersonne verduftet 

Maria, 17.5.2020

Zwei Kumpels auf Abstand

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„Hallo Max, wie geht’s?"
"Werner, du weißt doch, mir geht's immer gut."
"Ich wollte mal hören, wie du mit dem Coronavius klarkommst. Außerdem vermisse ich unser Feierabend Bier.“
„Das einzige was stört, ist, dass ich den ganzen Tag mein hübsches Gesicht hinter einer Maske verstecken muss.“
„Das kann ich gut verstehen. Bei mir beschlägt lfd. die Brille und ich finde es fürchterlich warm hinter der Maske.“
„Sag mal Werner, was hältst du von einem Abstandsbier?“
„Lieber Freund, wenn Du mir verrätst, was das ist, bin ich gern dabei.“
„Das ist doch klar! Wir treffen uns, halten 1,5 m Abstand und trinken ein Bier.“
„Das ist eine gute Idee. Wie üblich am Freitag, um die gewohnte Zeit?“ 
„Einverstanden, am Freitag. Was hältst du vom Covid-19 Park? Wir finden dort sicher eine Bank, mit der wir Abstand halten können.“
„Super Idee. Bis Freitag.“

Das Telefonat ist beendet. Max und Werner, die sich sonst einmal im Monat getroffen haben, freuen sich riesig. Das Treffen b…

Beim Lesen alter Briefe

Da meine Kurse derzeit ausfallen müssen, habe ich mich ans Sichten alter Briefe gemacht. Dabei fiel mir ein Brief von unserer Ost-Freundin Toni aus dem Jahr 1973 in die Hände. Sie beschreibt, wie schwierig sich das Leben gestaltet und auch, mit welcher Haltung es gemeistert wurde:

"Bei uns waren schwere Zeiten. Zwischendurch hatten sich die Jahre gebessert, es hatte so den Eindruck. Aber es gibt immer noch Probleme und gerade 1972/73 hat es den Anschein, so wie schon Lenin schrieb, "Ein Schritt vorwärts, zwei zurück!", genau so ist bei uns jetzt die Situation. Es hapert sogar schon an Importmarmelade. Die gab es vor zwei Jahren in reicher Auswahl und heuer ist nichts zu haben. Für die Verkäuferinnen ist das auch nicht schön, denn sie müssen sich das Genöle der Kundschaft anhören und sind auch der Meinung, daß es schon besser war. Das ist sicherlich der Krebsschaden des Sozialismus, es ist nichts Vollkommenes. Dabei sind wir alle bestimmt sehr bescheiden. 
Um sich nicht au…

Sprachlos

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Sprachlos macht mich das Ausmaß der Corona-Pandemie.
Sprachlos macht mich die Kontaktbeschränkung.
Sprachlos macht mich die Dummheit.
Sprachlos macht mich diese Zeit, die wir gerade erleben.
Und doch wird zur Zeit so viel gesprochen, wie noch nie:
so viel Unsinniges, so viel Unwahres, so viel Gefährliches.
Etwas mehr Sprachlosigkeit täte manchem gut!

Elfriede Lenzen, 13.5.2020