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Frohe Pfingsten!

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Frohe Pfingsten!

... dem Wunder leise die Hand hinhalten

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... dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten

Hilde Domin
aus dem Gedicht "Wahl"

Poetische Momente

Es ist die Zeit nun, daß im Wald der Nachtigallen Lied erschallt, folglich die Zeit, wo man am wenigsten der mindestens geistigen Nähe werther Personen entbehren kann. … Wüßten Sie, wie schön es jetzt so recht draußen ist (nicht vor ihrem Mauritz-Thore, wo die halbe Stadt promenirt, allen Staub lebendig und alle Vögel stumm macht), sondern hier, so recht auf dem Lande, wie voll Frieden und Sonnenschein, Lerchenwirbel und Nachtigallengesang. … 
Zwar fehlen dem Jahr noch die Früchte frisch vom Strauch gepflückt, die vollständige Belaubung und der fast berauschende Duft, mit dem späterhin Rosen und Syringen, Gewürzstrauch und Reseda die Luft füllen werden, aber doch verbreitet das junge Laub einen höchst lieblichen Geruch. … 
Ich saß auf der Bank am Hause, ließ mir von den Nachtigallen vorsingen, von der Luft zuwehen und war ganz und gar Sybaritisch* gestimmt. 
Warum ist man wohl so ungeneigt zu poetischen Arbeiten in so höchst poetischen Momenten? Ich denke wohl, weil der Genuß den regelre…

Die heilige Zitronenrolle

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Nie hätte ich gedacht, dass dieses Kuchenstück einmal zum Highlight des Tages mutieren könnte. Es ist sozusagen die Belohnung dafür, dass ich etwas Anstrengendes hinter mich gebracht habe. Aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen ist für mich schon ein Spaziergang im Park, ein Zoobesuch oder längeres Laufen anstrengend. Dabei kann ich meinen Rollator jetzt in Corona Zeiten aufgrund der Abstandsregelung nicht unbedacht an Menschen vorbeischieben, sondern muss dabei immer im Blick haben, dass ich ihnen nicht zu nahekomme. Sowohl die körperliche wie auch die psychische Anstrengung kostet mich doppelte Kraft. Da kommt meine Zitronenrolle ins Spiel:

Wenn ich nach einem Ausflug zuhause wieder erschöpft in den Sessel oder auf einen Stuhl sinke, ist mein erster Griff zum Kuchenteller. Es mag albern erscheinen, aber vor meinem Weggang stelle ich zurzeit einen Teller mit einem abgeschnittenen Stück der tiefgefrorenen Zitronenrolle zum Auftauen auf einen Tisch in Reichweite.

So geht das schon …

fahrzeit

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ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
quer durch's blaukreuzwäldchen
dauert es ein weilchen.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
die sonne brennt auf'm rücken
das virus verjagt mücken.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
gelenkt durch bunte pfeile
geht's durch die einkaufsmeile.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
meine maske ist zu haus
deshalb fällt einkaufen aus.

ich fahre und fahre
und weiß nicht wohin
cafés, restaurants sind zu
kein ort für ein rendezvous.

ich fahre und fahre
und weiß jetzt wohin
ich fahre heim
weg von dem keim.

ich fahre und fahre
und weiß jetzt wohin
sammel berge von energie
für's leben nach der pandemie.

Maria Eifrig, Mai 2020

Videosprechstunde

Therapeut:  Hallo?
Patient:      ...  ...  ...
T:    Hallo? ...  Sind Sie da?
P:    Oh, hallo! … Können Sie mich sehen?
T:    Ja. Sie sind etwas verpixelt, aber ich kann Sie sehen.
P:    Okay. Ich dachte schon, ich hätte beim Einwählen was falsch gemacht.
T:    Nein, alles gut. Es ist ja auch gerade erst halb sieben. Pünktlich also.
P:    Na, man weiß ja nicht...diese Technik ist ja für mich neu.
T:    Hat doch alles gut geklappt...
P:    Ja...
T:    Wie geht’s Ihnen heute?
P:    Hmm...ach... ich weiß nicht.
T:    ...???...
P:    Ist gerade ein bisschen ungewohnt... diese Situation.
T:    Das verstehe ich.
P:    ...
T:    Wir hatten ja gesagt, wir probieren es einfach mal aus.
P:    Okay...
T:    Haben Sie das mit den Aerosolen gehört letzte Tage?
P:    Äh... dass der Virus durch die Atemluft...   / /   T:   Trotz Maske kann der...
P:    ....
T:    ....
P:    Kann es sein, dass wir eine Zeitverzögerung drin haben?
T:    Hmm... ein bisschen vielleicht.
P:    ...  ... ...
T:    Was haben Sie denn für eine Lei…

Schlendern, einfach nur schlendern

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Ich staune immer wieder, wieviele mir bisher unbekannte Wege es in der nahen Umgebung gibt. Und was es da alles zu entdecken gibt. Gestern zum Beispiel begegneten mir Kornblumen mit ungewöhlicher Färbung, verdrehte Kirschbäume und "Worte am Fluss".Während ich noch über die Farbe der Kornblumen und die Drehung der Kirschbaumstämme rätselte, hörte ich in die "Worte am Fluss" hinein:
"Schlendern" an der Berkel

Und so erging es mir wie der Droste, die so schön staunte:

„... was man nicht alles bemerkt auf einer Tagfahrt zwischen Wallhecken, 
den Himmel über, die Pfütze unter sich“.

Elisabeth am 21.5.2020 

siehe auch: Schlendern von K. Wecker (Text)
siehe auch: Schlendern von K. Wecker (Lied)