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fürbass gehen

Soeben begegnete mir in meinem DUDEN-Abreißkalender mit vergessenen Wortschätzen das Wort fürbass .  Das Wort kommt aus dem Althochdeutschen und heißt soviel wie besser vorwärts .   Für , so das Kalenderblatt, ist uns vielleicht noch in der poetisch anmutenden Verbindung für sich hingehen bekannt.   Bass ist im ursprünglichen Wortsinn die Steigerungsform von wohl . Diese Form wich später der Steigerungsform besser . Fürbass gehen bedeutet demnach soviel wie: wohler vorwärts gehen. Im heutigen Sprachgebrauch sagen wir: absichtslos voran gehen, schlendern .  Diesen Modus des absichtslosen Schenderns finden wir auch in der Gedichzeile Goethes: Ich ging im Walde so vor (für) mich hin und nichts zu suchen, das war mein Sinn... Meine Anregung heute: einmal nicht gezielt von A nach B gehen, um etwas zu erledigen, sondern sich eine kleine Weile des fürbass Gehens erlauben. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Tag. Elisabeth

Hildegards immaterielles (Kultur-) Erbstück

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Um es gleich vorweg zu nehmen: dieses Erbstück hat leider diverse Umzüge und Räumaktionen nicht überlebt. Die Erinnerung daran wurde durch einen Beitrag in der Zeitung geweckt, in dem es um ein besonderes Getränk geht: den Viez. Dieser soll nämlich in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Eine Entscheidung darüber wird im Frühjahr 2022 erwartet. Für alle, die nicht wissen, was Viez ist, klärt der Zeitungsartikel auf: „Viez ist ein an Mosel und Saar sowie in Eifel und Hunsrück verbreiteter Apfelwein“. Das Wort kommt von Lateinisch vice , was soviel wie an Stelle von... heißt. In diesem Fall: ... anstelle von Wein. Getrunken wird der Viez nicht aus dem Glas, sondern aus der sogenannten Porz, der Viez-Porz. Hildegard Jöris schreibt: „ja, dass der Trierer Viez mal zu solchen Ehren kommt, hätte ich mir nicht vorstellen können. Das Wort „Porz“ fand ich früher wenig schmeichelnd, Mundart war zu meiner Jugendzeit eher verpönt, heute kommt sie wieder in Mode. Die Viezpo

Mehr als nur ein Hauch von Frühling in diesen Tagen

Dieser Beitrag ist bereits am 24. Januar 2021verfasst worden. Inzwischen haben wir es geradezu mit einer Frühlingsexplosion zu tun. Aus den vor einer Woche noch herrschenden Minusgraden sind wir ins dicke Plus gekommen. Immer wieder kommt ein neuer Frühling, immer wieder kommt ein neuer März. Immer wieder bringt er neue Blumen, immer wieder Licht in unser Herz… (aus einem Kinderlied) Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, trotz Schnee-Graupelschauer und Minusgrade. Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, Das Vogelgezwitscher in Büschen und Bäumen wird intensiver, Tulpen und Narzissen recken ihre vorwitzigen Näschen hoch, Schneeglöckchen blühen, die Mittagssonne wärmt mein Gesicht. Die Tage werden länger und heller, na ja, nicht jeder Tag - aber fast jeder, immer öfter. Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, wollen balde kommen. Horch von fern ein leiser Harfenton, Frühling, ja

Lebenskunst 2

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... Den Blick für Dinge am Rande nicht verlieren, ... für das pralle Leben in alten Mauern,   ... einen Flirt in eisigen Zeiten ... und den Humor für eine Sitzgelegenheit mit Fußbad.  ... Im richtigen Moment am richtigen Ort sein.

Renates Erbstück

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Bei der Wohnungsauflösung meiner Eltern habe ich es nicht übers Herz gebracht, diese Vase zu entsorgen. Nicht, dass sie mir besonders gut gefällt, sie passt auch nicht wirklich zu der Einrichtung unserer Wohnung. Und doch steht sie im Wohnzimmerregal. Warum? Mit dieser Vase sind Erinnerungen an meine Oma in Schleswig-Holstein verbunden. An das Haus, in dem ich geboren wurde. An das Wohnzimmer mit den dunklen Möbeln, in dem es immer nach Möbelpolitur roch, dass man nur zum Staubwischen betrat, in dem man sich nur aufhielt, wenn gern gesehene Gäste zu Besuch kamen. Ich sehe die Vase noch heute auf einem kleinen Tisch neben dem Radio stehen.  Renate Stettinus

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt...

2x3 macht vier und drei macht Neune, 3x3 macht 6, wer will`s von mir lernen? Alle groß und klein lad ich zu mir ein… Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt… (nach Pippi Langstrumpf) Wenn es doch so einfach wäre, geringelte Strümpfe, eigenwillig, rothaarig, eine kunterbunte Phantasiewelt, ohne Bösewichte und Tunichtgute, ohne Unwetter und Gefahr, ohne Kampf und Krieg, ohne Fallstricke und Hungersnöte, ohne Pestilenz und Tod. Haben zu viele Individuen zu viele Süppchen auf dem eigenen Herd gekocht?   Ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt… So wie sie uns gefällt…? Wir haben außer Acht gelassen, was uns singen und tanzen und lachen und lieben lässt und sind erstaunt über Krankheit und Tod. Wir heben den Götzen Technik auf ein Podest, umklammern ihn und lassen ihn nicht los, verlieren den Blick für das Wesentliche und haben verlernt, achtsam, respektvoll und fürsorglich miteinander umzugehen. Immer höher, weiter, schneller… Eine Vogelsorte weniger, eine Tierart stirbt aus, die

Schamsäcke oder: Parkbänke für China

2010: Jeden zweiten Dienstagmorgen stellen alle in unserer Straße ihren Plastikmüll raus. Man hängt ihn in dünnen gelben Tüten an die Zäune, lehnt ihn an die Gartenmauer oder legt ihn einfach auf den Bürgersteig. In der Regel sieht das ganz säuberlich aus. Die Säcke sind mit appetitlichen Schleifchen verschlossen. Die Leute von der Müllabfuhr machen sich nicht schmutzig, wenn sie danach greifen, und wir machen uns auch nicht schmutzig. Wenn man vom Einkaufen oder von der Arbeit nach Hause kommt, ist der Müll wie weggezaubert, und man kann sofort anfangen, die nächsten gelben Säcke zu befüllen. Das ist doch ein sehr befriedigendes System. Wo funktioniert schon die Müllabfuhr so gut geregelt wie hier bei uns in Deutschland? Man denke bloß einmal an Rom! Da ersticken die armen Menschen ja fast in ihrem Müll! Aus unserem Müll wird sogar noch etwas tolles Neues hergestellt: Er wird nach China verschifft, und dann machen die Chinesen Parkbänke daraus. Da es sehr viele Chinesen gibt, braucht