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Believe (in) us

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Ich glaube an Menschen,
dachte ich früher,
heute nicht mehr,
sie sind böse,
lügen und betrügen,
zerstören unsere Welt
für Geld, nur für Geld.

Ich glaube an Menschen,
manchmal,
sie helfen einander,
arbeiten ehrenamtlich,
kümmern sich
um Schwache und Kranke,
helfen in der Not,
sammeln Geld, tun Gutes.

Ich glaube an mich,
nicht immer,
zweifel oft an mir,
gebe andern die Schuld,
manche wollen helfen,
ich kämpfe lieber allein,
such neue Wege,
finde sie,
bin zufrieden,
ich glaube an mich.

Maria Eifrig, Juli 2020

Läusekampf

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Mein Garten, der Läusekampf "Was für eine Katastrophe."
Ich bin fassungslos.
"Was ist passiert?"
Der Römersalat, die Paprikapflanze, die Radieschen, ihre Blätter sind ruiniert. Täglich wird's schlimmer. Dann sehe ich sie, kleine schwarze Punkte, Blattläuse! Sie haben meine Plantage überfallen. Sie sitzen auf allem, was grün ist. Ich bin den Tränen nahe und habe nur einen Wunsch "weg von hier". Eine Runde mit meinem Rollstuhl, den Kopf frei bekommen, den Frust abbauen. Es fällt mir schwer. Ich verbrachte viel Zeit in meinem Garten, hatte eine Menge Arbeit und Spaß und jetzt das.
Erst abends im Bett werde ich ruhiger. Im Internet informiere ich mich, wie ich die unerwünschten Gäste los werden kann. Ich entscheide mich für eine Wasser-Spülmittel-Lösung zum Töten der Schmarotzer und zum Abschrecken Lavendel, Bohnenkraut, Salbei und Rosmarin, verteilt zwischen den Pflanzen.
Der Kampf beginnt.
 Was für ein Nervenkrieg. Ich sprühe und sprühe und sehe keinen Erf…

Jeder Tag...

Jeder Tag ist sehr sehr selten
so lautet ein Lieblingssatz von Hans Jochim Gelberg
Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen, nah und fern, einen selten schönen Tag!
Hans Joachim Gelberg, Autor und Verleger, ist in diesem Mai mit knapp 90 Jahren gestorben. Ich liebe seine Anthologien, vor allem Wo kommen die Worte her?


Schreibimpuls 'heimkehren'

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Vor einer Woche erlebte ich im Garten von Schloss Senden eine außergewöhnliche Dichterlesung. Die derzeitige Regionenschreiberin des Münsterlandes, Charlotte Krafft, las aus ihren "Momumenta"*. Das ist kein Schreibfehler. Es heißt tatsächlich so und ist eine Wortschöpfung aus Monument und Moment, so die Autorin. Die Betonung liegt auf dem Prozess, Monument/Denkmal als denk mal!

Charlotte Kraffts"Momument I" beginnt mit dem Zitat von Ursula K. Le Guin:

Man kann heimkehren, wenn man denn begreift,
dass ‚heim‘ ein Ort ist, an dem man noch nie war

Dieses Zitat ist gleichzeitig mein heutiger Impuls: mit oder ohne Stift in der Hand, zu Hause oder unterwegs, diesen Worten nachzuspüren...Ich wünsche dir/euch erhellende Momente!Elisabeth am 28. Juni 2020
*Die "Momumenta" von Charlotte Krafft sind im Kontext des Projektes "stadt - land - text nrw 2020" entstanden.
Herzlichen …

Luftdurst

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Ich wusste gar nicht, wie doll ich atmen will. Oder muss. Wie doll ich, wie doll ein Mensch atmen muss! Die Maske saugt sich an den Nasenlöchern fest. Ich trete in die Pedalen und fahre bergauf. Da kommt nicht genug Luft durch den hübschen Stoff mit dem Notendesign. Habe ich geschenkt bekommen, weil ich Musikerin bin; habe mich sehr gefreut, wirklich. Ist der denn dreifach genäht? Kann sein. Meine Nase saugt und zieht: Luft, mehr Luft! Es geht nicht. Ich steige ab. Das Fahrrad zieht mich zurück, die Einkaufstaschen sind so schwer. Aber das Ding muss ab. Ich fummele nach den Ösen hinter den Ohren, die Sonnenbrille kommt auch gleich mit. Der Riemen des Helms sorgt dafür, dass nichts runterfällt. Gut, dass ich Helm trage. Aber was nützt es, den Kopf beim Sturz zu schützen, die Augen vor der Sonne und die Leute vor meinen Gesichtsemissionen? Nun baumelt alles am Kinn, irgendwie verhakt in der Schnalle. Ich habe solche Lust auf Luft! Trinken möchte ich sie! Oh, wie freut sich mein schwitze…

CORONA 4

Nicht müde werden…

sondern dem Wunder,
leise,
wie einem Vogel,
die Hand hinhalten.

Hilde Domin

Ich sehe viele kleine Wunder,
erlebe viele kleine Glücksmomente,
am Wegesrand
meines Lebens,
fühle in mir,
in Körper, Geist und Seele,
die Kostbarkeit des Lebens,
ein großartiges Geschenk.

So sollte es sein,
für jeden von uns.
So wird es auch sein,
für viele von uns.

So ist es nicht,
für manche von uns,
die von Armut, Krankheit,
Ausweglosigkeit,
begleitet werden,
zu müde, zu abgestumpft,
zu hasserfüllt,
um aufzustehen
und zu leben.

COVID 19 ist dort zu finden,
wo zu viel Enge ist,
zu viel Armut,
zu wenig Lebensraum,
zu wenig Perspektiven,
zu wenig von zu vielem.


Nicht müde werden,
und dem Wunder,
leise,
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Hilde Domin


Ich bin nicht zu müde,
um an Wunder zu glauben…

Ulla Granseuer am 25.6.2020

Mein Garten, meine Wohlfühloase

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Ein Gestell aus Tischböcken und Brettern, vollgestellt mit Blumenkästen, runde, längliche, große und kleine, das ist er, mein Garten. Seit Jahren habe ich ihn mir gewünscht. Jetzt ist er Wirklichkeit. Früher hatte ich einen "richtigen" Garten, eine Fläche von ca. 20 qm. Einen Garten, wo man sich bücken musste um in Erde zu wühlen. Ich liebte es, wenn die Hände in die Erde tauchten und die Finger die Erdklumpen zerdrückten. Es fällt mir schwer dieses Gefühl zu beschreiben. Erde schenkt uns Leben. Pflanzen durchbrechen zaghaft die Erdoberfläche, werden größer und kräftiger. Würmer graben sie um, sorgen für luftigen, lockeren Boden. Du bist Acker-, Mutterboden, enthältst organische Substanzen und bist als Erdreich unser Lebensraum, Erde ein Planet in unserem Sonnensystem.
Dann zog sie bei mir ein, erlaubte mir nicht meinen "richtigen" Garten weiter zu bearbeiten. Ich musste zusehen, wie er immer mehr vergammelte. Schließlich wurde die Erde planiert und mit Platten bele…